Horst Seehofer ist nicht zu beneiden. Als neuer CSU-Vorsitzender hat er eine der schwersten Krisen in der Geschichte seiner Partei zu bewältigen. Kaum ist er dann Ministerpräsident, droht auch noch der ganze Freistaat wegen der enormen Verlustgeschäfte der Bayerischen Landesbank seinen Ruf als Vorbildland zu verlieren.

In seiner ersten Regierungserklärung am Mittwoch im bayerischen Landtag konnte Seehofer, der so gerne der neue Wohlfühlministerpräsident aller Bayern geworden wäre, denn auch nicht geplante Wohltaten verkünden. Stattdessen musste er den Landtag um Sonderausgaben in Höhe von zehn Milliarden Euro zur Rettung der Landesbank bitten. Und eingestehen, dass dieses Geld vielleicht nicht reichen wird. Denn weitere Ausfälle drohen.

Zehn Milliarden – was schon in gesamtstaatlichen Maßstäben viel wäre, ist für das Bundesland Bayern eine gigantische Summe. Es geht um ein Viertel des bayerischen Staatshaushaltes von 40 Milliarden Euro. Die gesamtstaatliche Verschuldung betrug dort Ende 2007 etwa 24,5 Milliarden Euro.

Statt einer launigen Antrittsrede, wie sie Seehofer wohl eher gelegen hätte, war nun also Krisenmanagement gefragt. Der neue Ministerpräsident versuchte, der Lage mit einem Wechselspiel aus Angriff und Eingeständnissen Herr zu werden.

Da ordnete er einerseits die Krise der Landesbank in den internationalen Zusammenhang ein, "größte Finanzkrise seit 1929", und schon schien sie gar nicht mehr ganz so groß zu sein. Auch die Frage nach Schuld und Verantwortung stellte sich plötzlich anders. Die Landesbank, sagte Seehofer, "ist eine Betroffene".