Ist Sicherheitsforschung letztlich Geheimniskrämerei? Auf keinen Fall, sagt Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Sie verwehrt sich gegen Kritik, das deutsche Sicherheitsforschungsprogramm fördere einen in der zivilen Forschung bisher unbekannten Zwang zur Geheimhaltung. Forschungsvorhaben und -Ergebnisse seien vielmehr äußerst transparent. Eine Vielzahl von Institutionen betreibe bereits solche Forschung. Diese gelte es nun zu koordinieren.

Das beginnt zu bezweifeln, wer einmal nachhakt, wie es diejenigen mit der Sicherheitsforschung halten, die das Forschungsministerium (BMBF) seitens der Regierung in einer Brochüre als Akteure des Vorschungsfeldes auflistet. Im Anhang findet sich auf sechs Seiten eine beeindruckend lange Liste von Ministerien und Instituten, Gemeinsamkeit seien "laufende Aktivitäten der Bundesregierung mit Bezug zur Sicherheitsforschung". ZEIT ONLINE hat bei einigen nachgefragt.

Auf das Programm angesprochen, ist keiner der in der Liste Genannten wirklich erfreut. Manche Antworten zeugen von grenzenloser Verwirrung - manche Referenten der Institute haben noch nicht einmal vom Sicherheitsforschungsprogramm gehört. Information wird teils gezielt zurückgehalten. Ein paar Einblicke in die Recherche in einem offenbar gar nicht so transparenten Forschungsbereich:

Beim Bundesministerium des Inneren (BMI) weiß man natürlich Bescheid. Das Thema Sicherheitsforschung sei für das BMI ja nicht neu, schreibt Christoph Hübner aus dem Pressereferat, schließlich seien die zum Geschäftsbereich gehörenden Sicherheitsbehörden, wie zum Beispiel das Bundeskriminalamt (BKA), das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Bundespolizei seit je her in den unterschiedlichsten Bereichen der Sicherheitsforschung sehr aktiv und hätten zum Teil auch einen ausdrücklichen gesetzlichen Auftrag hierfür. Das BMI sei bereits in die Entstehung des Sicherheitsforschungsprogramms sehr eng eingebunden gewesen, sagt Hübner, man habe die Inhalte des Programms wesentlich mitgestaltet.

Auf ein paar Rückfragen antwortet der Pressereferent nett, aber schon nicht mehr so ausführlich. Es ist zu erfahren, dass das BMI einen Forschungsbeauftragten hat, der eine koordinierende Funktion wahrnimmt. Ende der Information: "Ich hoffe, Ihre Fragen mit diesen Ausführungen nunmehr umfänglich beantwortet zu haben."

Auf die Bitte, mit dem Forschungsbeauftragten ein kurzes Interview machen können, kommt gar keine E-Mail-Antwort mehr. Christoph Hübner ruft lieber an: "Wir haben ihnen sicherlich sehr viele Informationen zur Verfügung gestellt. Ich denke, dass das jetzt reicht."