Wer in New York in die U-Bahn steigt, sieht chinesische Stationsnamen und spanische Warntafeln. In Museen liegen deutsche und französische Faltblätter, die Inhaber kleiner Läden sprechen Arabisch oder Hebräisch und die Taxifahrer aus Sri Lanka oder Bangladesh bestenfalls gebrochen Englisch.

Aber New York – oder Miami, Chicago und San Francisco – ist nicht Amerika. In Amerika wird Englisch gesprochen. In der Verfassung ist das nicht verankert. In den ersten Jahrhunderten haben Behörden, Schulen und Unternehmen dafür gesorgt, dass sich die ankommenden Europäer so schnell wie möglich anpassten. Wer die engen Einwandererquartiere verlassen wollte, lernte Englisch. Wollte man Staatsbürger werden, musste man ab 1906 Englischkenntnisse nachweisen.

Eine Alternative war Deutsch. Zumindest eine Zeit lang: In New York und Texas, Minnesota und Missouri gab es deutsche Schulen, Kirchen und  Theater. Das änderte sich radikal mit dem Ersten Weltkrieg. Deutsche Bücher wurden aus Bibliotheken entfernt, deutsche Straßennamen gegen englische ausgewechselt und Wörter wie "Sauerkraut" verboten. In Minnesota wurde ein Pfarrer fast gelyncht, weil er mit einer sterbenden Frau auf Deutsch gebetet hatte. Die meisten Deutschen anglisierten nun hastig ihre Namen. Heute gibt es noch ein paar altertümliche religiöse Gruppierungen wie die Amish oder die Mennoniten, die eine Art Plattdeutsch reden. Aber das ist Folklore.

Auch mit den Ureinwohnern war der Umgang rabiat: Noch im 20. Jahrhundert wurden indianische Kinder zwangsweise auf Internate geschafft. Wenn sie dort in ihrer Sprache redeten oder zu den heimischen Göttern beteten, wurden sie geschlagen, oder ihnen wurde der Mund mit Seife ausgewaschen. Heute sind die meisten Indianersprachen ausgestorben.

Die Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre änderte das kulturelle Klima. Hinzu kommt, dass heute die meisten Einwanderer nicht mehr anpassungswillige Europäer sind, sondern oft Mexikaner, Chinesen und Phillipinos.

Die USA haben sich von einem fast weißen Land mit schwarzen Gettos zu einem Multikultistaat gewandelt. Noch sprechen mehr als 80 Prozent der Bewohner Englisch. Aber der Anteil der Latinos wächst. In Kalifornien, Arizona, New Mexico und Texas, die vor 150 Jahren noch zu Mexiko gehörten, liegen Städte, in denen bis zu drei viertel der Bewohner Spanisch sprechen: San Diego, Los Angeles, El Paso, San Antonio. Hier gibt es spanische Geschäfte, spanische TV-Sender, Radios, Zeitungen, Schulen und Kirchen, die Bancó di México.