Wer zu viele Überstunden macht, hat irgendwann die Nase voll und ist einfach nur erschöpft. Ähnlich ergeht es den Abwehrzellen des Menschen. Unermüdlich schützen sie uns gegen gefährliche Krankheitserreger und normalerweise haben sie ihr Arbeitspensum auch gut im Griff. Nicht aber, wenn das Aidsvirus den Körper befällt. HIV treibt die Immunzellen so stark an, dass sie irgendwann aufgeben und das Virus gewähren lassen.

Doch die erschöpften T-Zellen lassen sich möglicherweise wieder aufpäppeln. Bislang war das Wissenschaftlern nur im Labor gelungen. Jetzt haben der Immunologe Rama Rao Amara und sein Team von der University School of Medicine in Atlanta die Immunzellen von Affen, die sie mit dem Aidsvirus infizierten, wieder auf Trab gebracht. Innerhalb weniger Tage stieg die Zahl aktiver T-Zellen bei neun kranken Makaken deutlich an. Auch die Menge an Aidsviren sank innerhalb von drei Wochen um das Zwei- bis Zehnfache, schreiben die Forscher im Magazin Nature. Der Clou: Die Behandlung zeigte keinerlei Nebenwirkung. Eine ähnliche Therapie könnte so auch HIV-Patienten helfen.

"Wir waren beeindruckt und auch überrascht, wie gut es geklappt hat", sagt Amara. Die Forscher behandelten die Affen mit einem speziellen Antikörper, der den Grund für die schwächelnde Immunabwehr beheben kann. Denn ein kleines Protein namens PD-1 auf der Oberfläche der T-Zellen legt fest, wann die Körperabwehr streikt und wann nicht. Das Immunsystem stellt auf diese Weise sicher, dass ihre Abwehrzellen nicht ständig auf Hochtouren arbeiten.

Das Aidsvirus schafft es allerdings, dass das PD-1-Protein in riesigen Mengen auf den T-Zellen auftaucht und das Immunsystem sich überarbeitet und schwächelt. Die Folge: HIV kann sich weiter ausbreiten und vermehren. Der neue Antikörper blockiert PD-1 und verhindert, dass das Immunsystem das Signal bekommt, es sei erschöpft.

So vielversprechend der neue Therapieansatz auch ist, ob er auch im menschlichen Körper funktioniert, ist noch nicht geklärt: "Das Problem ist, dass Reaktionen im Affen nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar sind", sagt der Mediziner und Sprecher des Kompetenznetzes HIV und Aids Norbert Brockmeyer. "Das haben wir 2006 in Großbritannien mit gravierenden Folgen gesehen."