Griechenland kommt nach dem Tod eines 15-jährigen Schülers durch den Schuss aus einer Polizeiwaffe nicht zur Ruhe. Nach den schweren Ausschreitungen autonomer Gruppen vom Wochenende demonstrierten am Montag erneut Tausende gegen die Polizei und griffen öffentliche Gebäude und Einrichtungen an. Landesweit sind nach ersten Schätzungen mehr als 500 Geschäfte, Banken, Autohäuser und öffentliche Gebäude verwüstet oder schwer beschädigt worden. Die Schadenssumme der Gewalt soll mehr als 100 Millionen Euro ausmachen, rund 40 Menschen wurden bisher verletzt.

In Athen gingen auch am Montag mehrere tausend Schüler auf die Straßen. Vor der Polizeidirektion zogen sich zwei Jugendliche bis auf die Unterwäsche aus und legten sich vor den Eingang. "Tötet uns auch", skandierten sie. In der Hafenstadt Thessaloniki warfen Unbekannte mehrere Brandsätze gegen ein Bankgebäude. Schüler blockierten die Straßenbahn von Athen. Andere Jugendliche besetzten eine Station der U-Bahn nahe der Vorstadt Kifissia.

In Piräus warfen Schüler Steine auf eine Polizeistation. Randalierer zerstörten sechs Autos. In Nikosia, der Hauptstadt Zyperns, blockierten Hunderte Jugendliche den Eingang der griechischen Botschaft. Und auch für die kommenden Tagen wurden neue Demonstrationen autonomer Gruppen und linker Parteien angekündigt.

Danach boten Straßenzüge insbesondere in Athen und im nordgriechischen Thessaloniki Bilder wie aus einem Bürgerkrieg. Mehr als 500 Angestellte der Stadt versuchen in der Hauptstadt noch immer, die vielen Wracks der Autos aus den Straßen zu entfernen. 

Griechenland befindet sich im Schockzustand. "Verbrechen, Terror und dann Gewalt" titelte eine Athener Zeitung. Fassungslos reagierte das Land auf den Tod eines 15-Jährigen durch eine Kugel der Polizei. Das Wochenende der Verwüstung und des Chaos hinterließ aber auch Ratlosigkeit. Dieser hässlichen Gewaltspirale müsse dringend ein Ende gesetzt werden. "Nur wie?", fragten sich die Kommentatoren der griechischen Medien.

Ratlos scheint auch der griechische Regierungschef Kostas Karamanlis zu sein. "Wir werden alles tun, damit diese Tragödie sich nicht wiederholt", sagte er in einer Fernsehansprache. Für die Ausschreitungen am Wochenende machte er "extreme Elemente" verantwortlich. "Deren einziges Motiv ist die Gewalt und die Zerstörung. Wir werden das nicht dulden." Er rief die Griechen auf, Ruhe zu bewahren und versprach Entschädigungen für die Inhaber der Geschäfte, die beschädigt oder zerstört wurden.