Richtig gute Serien, sei es im Fernsehen, im Kino oder in der Literatur, haben eines gemeinsam: Sie haben nicht nur sehr treue Fans, sie machen auf ihre Art süchtig. Wenn eine Serie irgendwann zu Ende ist, endgültig, ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den Protagonisten, werden die Fans oft ein wenig halt- und ratlos zurückgelassen.

Da hat man Figuren über mehrere Staffeln oder Bände begleitet, hat manchmal jahrelang an ihren Leben teilgenommen, mit ihnen gelitten, sich mit ihnen gefreut, ist vielleicht auch mit ihnen groß geworden. Und dann Zippzappschluss. Aus. Ende. Alles vorbei. Bei dem ein oder anderen hinterlässt das schon eine Leere, als ob man lieb gewonnene Menschen verloren hat.

Für die Fans von Harry Potter gab es nach dem Erscheinen des letzten Bandes vor einem Jahr noch eine kleine Hoffnung. Die Märchen von Beedle dem Barden sollten herauskommen. Wenn wir filmisch reden, dann hatte mancher vielleicht mit so was wie einem Spin-off gerechnet. Und da sind sie nun. Fünf Märchen in einem ungewohnt schmalen Buch, das aber durch die liebevolle Aufmachung (schauen Sie vor allem mal unter dem Schutzumschlag nach) besticht. Beedle der Barde ist in der Zauberwelt, was für uns gemeine Muggel die Gebrüder Grimm sind.

Die Märchen selbst handeln vorwiegend von Zauberern, von Hexen. Niemand lebt am Ende der Geschichte noch heute, wenn er nicht gestorben ist. Frauenfiguren nehmen ihr Schicksal schon mal selbst in die Hand, anstatt auf einen Prinzen zu warten, und auch Zauberer sind trotz großer Macht nicht vor gebrochenen Herzen und Einfalt zu schützen. Da ist der Sohn eines weisen Zauberers, der in Der Zauberer und der hüpfende Topf von seinem Erbe auf die Probe gestellt wird. Da gibt es den Brunnen des wahren Glücks, zu dem sich drei Hexen und ein glückloser Ritter aufmachen, um von ihren Miseren erlöst zu werden. Und in Des Hexers haariges Herz geht es um einen gefühlskalten Zauberer, der sein Herz an einem sicheren Ort verwahrt, aber am Ende daran sterben wird.

Babbitty rabbitty erzählt von einer klugen Hexe, die sich nicht nur vor den Anschuldigungen eines Scharlatans und den Hexenjägern des Königs rettet, sondern denselben König am Ende noch austrickst. Schlussendlich steht Das Märchen der drei Brüder, in dem der Tod zwei Brüder betrügen will, um an ihr Leben zu kommen, und ihnen drei Geschenke macht. Das ist das Märchen, das in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes eine entscheidende Rolle hatte und Harry über Lord Voldemort siegen ließ.