Aktienmärkte verhalten sich nicht immer rational – spätestens im zu Ende gehenden Jahr ist das eindrucksvoll bewiesen worden. Da fallen die Kurse wegen sehr schlechter Konjunkturdaten um mehrere Prozentpunkte und steigen tags darauf kräftig, nachdem ebenso schlechte neue Daten veröffentlicht wurden. Oder sie schwanken innerhalb weniger Stunden um vier bis fünf Prozentpunkte.

Selbst Marktphasen, in denen eine bestimmte Kursentwicklung glasklar vorgezeichnet scheint, sind unberechenbar. Häufig stellen sich große Investoren vorab auf eine solche Entwicklung ein. Wenn andere Aktionäre erst beginnen zu handeln, realisieren sie bereits ihre Gewinne und würgen so den Trend ab, bevor er recht begonnen hat.

Was also tun? So mancher Anleger versucht, sich mit Daumenregeln zu behelfen, die saisonale Kursentwicklungen propagieren. Wohl am bekanntesten ist die Sell in May-Regel, die empfiehlt, im Mai zu verkaufen und erst im September wieder in den Markt einzusteigen.

Natürlich garantiert sie keinen unbedingten Erfolg. Manchmal steigen die Kurse gerade im Sommer stark und fallen im Herbst und Winter wieder, oder sie sinken die komplette zweite Jahreshälfte hindurch. In den vergangenen Jahren aber vermied große Verluste, wer die Sell in May-Regel beherzigte.

Eine anderes, ebenso klassisches saisonales Muster findet sich in der Jahresendrally. Viele institutionelle Investoren müssen zum Jahresbeginn neue Summen investieren und wollen dies möglichst vor ihren Konkurrenten tun. Aus diesem Grund warten sie nicht bis Anfang Januar, sondern kaufen bereits Ende Dezember Aktien. Sie hoffen auf steigende Kurse und Gewinne, wenn die anderen einige Tage später das Gleiche tun. 

Allein das kann die Kurse in die Höhe treiben. Viel Volumen ist dafür gar nicht einmal nötig. Viele Anleger reduzieren ihre Handelsaktivitäten über die Feiertage deutlich, die Börsen machen wenig Umsatz. Schon eine geringe zusätzliche Nachfrage kann die Kurse dann nachhaltig steigen lassen und dadurch weitere Nachfrage erzeugen – eine sich selbst verstärkende Entwicklung. Investitionsbedarf ist zum Jahresanfang schließlich da, unabhängig von der allgemeinen Marktlage.