"1:2 gewonnen", zieht die Frankfurter Rundschau (FR) eine nur scheinbar widersprüchliche Bilanz für Hoffenheim; die SZ empfiehlt den "Modellcharakter"; die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) preist das "Meisterwerk aus dem Kraichgau".

Peter Penders (FAS) hat einen neuen deutschen Fußball gesehen: "Seit Freitag muss niemand mehr den Kopf einziehen, wenn über modernen Fußball geredet wird." Die beiden Vereine  seien "der normalen Bundesliga-Konkurrenz entwachsen", denn "so intensiv können in Deutschland derzeit nur zwei Teams spielen, die sich offenbar gegenseitig anspornen".

Projektion der Attraktivität ist seit Längerem die Premier League, deren Fußball der Bundesliga um einige Jahre voraus ist. Nun scheint der Rückstand verkürzt. Michael Neudecker (Berliner Zeitung) stützt diesen Befund: "Die zwei Mannschaften haben bewiesen, dass in der Bundesliga möglich ist, was in der Premier League längst Alltag darstellt: rasanter, mitreißender Fußball. Mutiger Fußball, kompromissloser Fußball. Fußball ohne Angst. Dass der Marktführer FC Bayern aufgrund der individuellen Klasse im Kader solchen Fußball kann, das hat man schon gewusst. Es brauchte allerdings einen Aufsteiger aus einem kleinen Dorf, um die Bayern dazu zu zwingen, diesen Fußball 93 Minuten lang durchzuziehen. Einen Aufsteiger, der in der Lage ist, so zu spielen, dass sogar das eher zurückhaltende Publikum in München heiser wird vor Ekstase. Einen Aufsteiger, wie man nie zuvor einen gesehen hat."

Klaus Hoeltzenbein (SZ) rät Schalke, Stuttgart, Hertha, Wolfsburg und Co, von Hoffenheim zu lernen: "Nicht nur die Bayern haben die Folie einer sportlichen Zukunft gesehen, wie sie sie gerne hätten. Mehr noch: An der sich alle Bundesligisten orientieren können, wenn sie abseits ihrer deutschen Partyliga auch in Europa wieder etwas darstellen wollen."

Jan Christian Müller (FR) deutet das Spiel als historische Wegmarke im deutschen Fußball: "Die Hoffenheimer sind als sportlicher Verlierer vom Feld getrottet. Aber natürlich haben sie in diesem wohl temporeichsten Spiel der Bundesligageschichte viel mehr gewonnen: noch mehr Respekt in der Branche und bei den Bayern, die längst nicht mehr nur ahnen, dass Hoffenheim das Know-How und das Kapital besitzt, um die jahrzehntelange bayerische Herrschaft nachhaltiger zu attackieren, als dies Klubs wie Bremen, Hamburg, Stuttgart und Schalke vergönnt ist."

Auch die beiden Trainer, die im konservativen deutschen Sport-Establishment immer wieder auf Vorbehalte stießen, erfahren Würdigung durch die Presse. Penders (FAS)schätzt deren Zielstrebigkeit und Fleiß: "Jürgen Klinsmann und Ralf Rangnick eint, dass sie auch gegen größte Widerstände nicht bereit sind, ihre Prinzipien aufzugeben." Der von ihnen erhöhte Trainingsumfang sei mit ausschlaggebend für die neue Qualität: "Mit intensivem Training kann man also tatsächlich auch im Fußball viel erreichen, dass es gleich so viel wird, überraschte aber doch: Bayern und Hoffenheim spielten jenen mitreißenden Fußball, den uns die Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft versprochen hatte."

Zudem rät Penders den Bayern-Fans, Klinsmann die nötige Wertschätzung entgegenzubringen: "Ob die Bayern mit ihrem erfolgreichen, aber etwas angestaubten Stil unter Ottmar Hitzfeld in der Lage gewesen wären, diese Hoffenheimer in Schach zu halten, darf bezweifelt werden."