In den knapp 30 Jahren seiner Präsidentschaft hat Präsident Robert Mugabe die Republik Simbabwe in die schwerste Krise ihrer Geschichte geführt. Die Wirtschaft in dem einstigen Vorzeigestaat ist unter der Diktatur zusammengebrochen und damit auch das Gesundheitswesen. Seit Monaten gibt es in einigen Provinzen kein sauberes Trinkwasser mehr. Weil defekte Abwasserleitungen nicht repariert werden, fließen Fäkalien nicht ab und verunreinigen Brunnen und Flüsse. Die Folge ist eine schwere Cholera-Epidemie.

Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind seit Ausbruch der Seuche im August etwa 600 Menschen daran gestorben, weitere 14.000 haben sich angesteckt. Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen versuchen, die Epidemie einzudämmen. Unbehandelt führt die Erkrankung in etwa 60 Prozent der Fälle zum Tod. Doch die politische Situation erschwert die Arbeit der Helfer. ZEIT ONLINE hat mit Kai Braker von "Ärzte ohne Grenzen" gesprochen.

ZEIT ONLINE: Herr Braker, in Deutschland ist die Cholera seit Ende des 19. Jahrhunderts kein Thema mehr, und auch in Simbabwe hatte man die Infektion recht gut in den Griff bekommen. Wie konnte es dort jetzt zu einer so schweren Epidemie kommen?

Kai Braker:Cholera ist eine Bakterieninfektion, die vor allem durch unsauberes Trinkwasser und kontaminierte Nahrung übertragen wird. Schlechte Hygieneverhältnisse fördern die Ansteckung. In Simbabwe ist sowohl die Trinkwasserversorgung als auch die Abwasserentsorgung zusammengebrochen. Das ist der eigentliche Auslöser der Epidemie.

ZEIT ONLINE: War die Seuche in Simbabwe vorher ausgerottet?

Braker: Nein. Cholera ist dort endemisch, das heißt, sie tritt jedes Jahr in einem begrenzten Gebiet auf. Vor allem in der Regenzeit kommt es vermehrt zu Infektionen. Auch unsere Teams von "Ärzte ohne Grenzen", die in Simbabwe hauptsächlich HIV-Infizierte und Aids-Patienten versorgen, behandeln immer wieder vereinzelt Cholera-Patienten. Die jetzige Epidemie hat aber ein ganz anderes Ausmaß. Unsere Kapazitäten reichten anfangs bei Weitem nicht aus, um alle Patienten zu behandeln. Inzwischen haben wir 20 zusätzliche Mitarbeiter in die Krisenregion geschickt. Insgesamt sind 450 Mitarbeiter dort, und wir bilden ständig weitere Einheimische aus.

ZEIT ONLINE: Bisher waren vor allem Menschen auf dem Land betroffen. Jetzt trifft die Cholera auch die Hauptstadt Harare und die Vororte, in denen viele Haushalte fließend Wasser und Toiletten mit Spülung haben. Warum?

Braker: Weil auch das Leitungswasser wegen der defekten Kanalisation zum Teil Cholera-Bakterien enthält. Andere Haushalte haben keine funktionierenden sanitären Anlagen mehr. Dass die Simbabwer an bessere Hygieneverhältnisse gewöhnt sind, wird ihnen jetzt zum Verhängnis: Sie verlassen sich darauf, dass das Wasser sauber ist. In noch ärmeren Ländern ist man besser darauf eingestellt: Dort graben die Menschen Brunnen an Orten, wo es noch keine Cholera gibt, oder kochen das Wasser ab.