Hunderttausende Studenten und Schüler werden am Nachmittag in Athen zu einer Trauerfeier für den 15-jährigen Andreas-Alexandros Grigoropoulos erwartet, der am vergangenen Samstag von einer Polizeikugel tödlich getroffen worden war. Die Polizei hatte schon am Vormittag scharfe Sicherheitsmaßnahmen vor dem kleinen Friedhof ergriffen, auf dem der Schüler zur letzten Ruhe gebettet werden soll.

Das griechische Kultusministerium hat den Dienstag zum Tag der Trauer erklärt. Landesweit blieben alle Schulen geschlossen. Am Nachmittag wollten Studenten und Schüler im Zentrum Athens des Jungen gedenken. Für den Abend ist eine Demonstration mit Kerzen geplant, zu der die Sozialistische Oppositionspartei eingeladen hatte.

Ministerpräsident Kostas Karamanlis kündigte unterdessen an, die Behörden würden hart gegen Randalierer durchgreifen. "In diesen kritischen Stunden müssen alle Politiker die Chaoten isolieren und verurteilen. Das ist unsere Pflicht", sagte er nach einem Treffen mit Staatspräsident Karolos Papoulis. Das Treffen der beiden diente offenbar dem Ziel, die Einstimmigkeit aller Spitzenpolitiker zu sichern, damit die Polizei notfalls auch mit Härte die Ausschreitungen im Lande beenden kann.

Zugleich kündigte der Regierungschef eine lückenlose Aufklärung an, um die Hintergründe des Todes des Schülers aufzuklären. "Ich habe den Präsidenten des Landes versichert: Wir werden keine Gnade für die Verantwortlichen zeigen", sagte Karamanlis.

Nach wie vor herrscht Unklarheit über den genauen Hergang der Ereignisse. Der Polizist, der den tödlichen Schuss abgefeuert haben soll, bekräftigt weiterhin, er habe Warnschüsse abgefeuert, von denen einer als Querschläger den Jungen getroffen habe. Mindestens drei Augenzeugen sagten im Fernsehen, der Polizist habe direkt auf den Jungen gezielt und geschossen.

Am Morgen hatte sich die Lage in Athen wieder beruhigt, nachdem es in der Nacht zu weiteren schweren Ausschreitungen gekommen war. Zuletzt gab es noch sporadische Aktionen rund um die Technische Universität, in der sich noch einige Dutzend Randalierer verbarrikadiert hatten.

Die Polizei blieb weiterhin in höchster Alarmbereitschaft. Sicherheitskräfte befürchteten, dass Chaoten im Umfeld der für den Nachmittag geplanten Proteste wieder randalieren könnten.