Aus Protest gegen den Tod eines Schülers in Athen durch eine Polizeikugel haben Demonstranten das griechische Konsulat in Berlin besetzt. Rund 15 Personen seien am Morgen in das Gebäude in der Innenstadt eingedrungen, sagte der Sprecher der griechischen Botschaft, Pantelis Pantelouris. Die Polizei sprach hingegen von rund 30 Demonstranten.

Nach ihren Angaben liefen im Konsulat Gespräche mit den Besetzern, Polizisten hielten sich aber auch vor dem Gebäude in Stellung, sagte eine Sprecherin. Bislang gebe es keine Gewalttätigkeiten. Wenn die Besetzer herauskommen sollten, würden voraussichtlich nur ihre Personalien aufgenommen, hieß es.

Die teils vermummten Demonstranten, deren Nationalität laut Polizei unklar ist, brachten ein Transparent mit der Aufschrift "Ermordet vom Staat" an der Fassade des Konsulats an. In einem Schreiben der Besetzer heißt es, der griechische Staat sei für den Tod des Jugendlichen verantwortlich.

Gemeint ist der 15-jährige Schüler Andreas Grigoropoulos, der am Samstagabend in der griechischen Hauptstadt erschossen wurde. In mehreren griechischen Städten kam es danach zu massiven Unruhen. Der 37 Jahre alte Polizist, der den Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe drei Warnschüsse abgefeuert, wovon einer den Jugendlichen als Querschläger getroffen habe. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor. Inzwischen ist einer der Anwälte des Polizisten zurückgetreten. Einen "solchen Mandanten" könne er aus Gewissensgründen nicht verteidigen. Wegen seines harten Durchgreifens sei der mutmaßliche Schütze unter dem Spitznamen "Rambo" bekannt gewesen, berichtete der griechische Rundfunk.

Auch an diesem Montag fanden erneut Demonstrationen statt. In Athen gingen mehrere Tausend Schüler auf die Straßen und blockierten die Straßenbahn der griechischen Hauptstadt. Andere Jugendliche besetzten eine Station der U-Bahn nahe der Vorstadt Kifissia. Dort musste der Verkehr eingestellt werden. In der Hafenstadt Thessaloniki warfen Unbekannte mehrere Brandsätze gegen die Fassade eines Bankgebäudes.