ZEIT ONLINE: Herr Grimm, wie unterscheidet sich die deutsche Nanny, Katharina Saalfrank, von ihren Kolleginnen in Großbritannien und Österreich?

Jürgen Grimm: Die britische Nanny ist von allen drei die wohl autoritärste mit den striktesten Erziehungsmaßnahmen. Sie arbeitet auch noch mit der sehr umstrittenen Maßnahme "Stille Treppe", also einem Ort, an den das Kind gebracht wird, wenn es rebelliert. Am wenigsten autoritär war die Nanny in Österreich, das Format wurde jedoch eingestellt. Die Super Nanny in Deutschland, Frau Saalfrank, befindet sich irgendwo dazwischen. Sie hat ihre Rolle im Laufe der Zeit auch anders angelegt.

ZEIT ONLINE: Zu welchem Ergebnis sind Sie in Ihrer Studie gekommen?

Grimm: Wir haben festgestellt, dass die Qualität der Ratschläge in diesen Sendungen besser ist, als es die kritische, öffentliche Debatte vermuten lässt. Die Super Nannys pflegen überwiegend einen demokratischen Erziehungsstil, der auch von einer Mehrheit der Pädagogen favorisiert wird. Wir haben auch die Reaktion des Publikums untersucht und ein klares Orientierungsbedürfnis festgestellt. Es geht weniger um Sensationslust, sondern um den Versuch, die dargestellten Situationen, die gegebenen Ratschläge und die eigene Lebenssituation miteinander zu vergleichen.

ZEIT ONLINE: Sind diese Sendungen also pädagogisch wertvoll?

Grimm: Sie können durchaus effektiv sein. Die Tatsache, dass vor Ort in den Familien agiert wird, scheint sehr sinnvoll zu sein. Aber auch die Gegenwart einer Kamera führt oft zu einer Reflexion der eigenen Situation. Die Beteiligten beginnen, über sich und die eigenen Probleme nachzudenken. Und das ist für die Veränderung einer problematischen Erziehungssituation durchaus förderlich.

ZEIT ONLINE: In Österreich wurde die Sendung jedoch abgesetzt.

Grimm: Warum das passiert ist, ist mir auch nicht völlig klar. Der Erfolg der Sendung hat in Wien auch dazu geführt, dass das Jugendamt das Konzept der Nanny aufgegriffen hat. Sandra Velásquez hilft hier mit, die Familienberatung zu reformieren. Sie hat Schulungen gegeben, um ihre Erfahrungen aus der Fernsehwelt mit den Mitarbeitern des Jugendamtes zu teilen.