Machtdemonstration oder Zeichen völligen Realitätsverlustes? Politische Elite und isländische Bevölkerung wissen nicht wie sie die jüngsten Äußerungen des Zentralbankchefs David Oddsson deuten sollen. Falls er gezwungen werde, seinen Posten zu räumen, gehe er zurück in die Politik, sagte der ehemalige Ministerpräsident in einem Interview.

Die Demonstranten, die sich diesen Samstag wieder zum wöchentlichen Aufmarsch im Stadtzentrum von Reykjavík treffen, wollen Oddsson und die Regierung weg haben. Aber ganz gewiss wollen sie den Zentralbankchef nicht wieder zum Ministerpräsidenten machen. Das dürfte die Mehrheit der Wähler ähnlich sehen. Schließlich sind in Oddssons Regierungszeit die Banken privatisiert worden, die jetzt wieder verstaatlicht wurden.

Er und sein Finanzminister und Parteifreund, der jetzige Premier Geir Haarde, waren es auch, die versäumten strenge Regelungen für den Finanzmarkt zu erlassen. Nur so hätte die derzeitige Krise verhindert werden können, meinen Kritiker. Haarde will Oddsson auch nicht wieder in der Politik, der würde ihm nur Konkurrenz machen. Was aber will Oddsson?

"Seine Androhung ist nur Taktik. So will er erzwingen, dass man ihn auf dem Posten als Zentralbankchef belässt. Denn als aktiver Politiker würde er die Partei von ihm und dem aktuellen Ministerpräsidenten spalten. Der Machtverlust wäre noch herber als er ohnehin schon wäre, wenn jetzt neu gewählt würde", sagt Auðunn Arnórsson, Journalist bei der Zeitung Frettabladid. Vermutlich hat Oddsson in dem Interview nur publik gemacht, was er Ministerpräsident Haarde schon seit längerem gesagt hat: Wenn Du mich als Chef der Zentralbank entlässt, werde ich dafür sorgen, dass Du nicht mehr lange Ministerpräsident bist.

Dass die beiden eine alte politische und private Freundschaft verbindet, ist wohl egal, wenn es um Machtsicherung geht.

Wegen der politischen Posse fühlen sich viele Isländer vollends von der Politik an der Nase herumgeführt. Der derzeit wohl meist gehassteste Isländer, Zentralbankchef Oddsson, zeigt, dass in Wirklichkeit er und kein anderer darüber entscheidet, wann er seinen Posten räumt.