EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte vor einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel, Ban habe übergangsweise um die Entsendung von EU-Soldaten in den Ostkongo gebeten. Nach Angaben des UN-Generalsekretärs werde es etwa sechs Monate dauern, bis die UN-Friedenstruppe für den Kongo (MONUC) von derzeit 17.000 auf 20.000 erhöht werden könne. Ban habe daher gebeten, dass die EU ihre bisherige ablehnende Haltung überdenke. Solana erwartet von dem Außenministertreffen aber noch keine Entscheidung.

Finnlands Außenminister Alexander Stubb sagte, die EU müsse über die Entsendung ihrer Einsatztruppen (Battle Groups) nachdenken. "Wenn wir sie nicht in den Kongo schicken, wo sollten wir sie dann überhaupt hinschicken?"

Der belgische Außenminister Karel de Gucht sagte: "Ich halte es für dringend, dass wir über solche Überbrückungs-Streitkräfte entscheiden, die meiner Ansicht nach absolut nötig sind." Die humanitäre Lage im östlichen Kongo, wo Regierungstruppen, Milizen und Rebellen gegeneinander kämpfen, sei "dramatisch". "Ich bin kein Soldat, aber ich kenne die Gegend ein bisschen", sagte der Außenminister der früheren Kolonialmacht des Kongo. "Mit schweren Waffen sollten 2500 bis 3000 Soldaten ausreichen."

Die EU hat die 2004 gegründeten Battle Groups bisher nie eingesetzt. Pro Halbjahr stehen jeweils zwei dieser Einsatztruppen bereit, die jeweils rund 1500 Soldaten umfassen. Ein Einsatz erfordert Einstimmigkeit der EU-Regierungen.

Die Bundesregierung äußerte sich zurückhaltend. Außen-Staatsminister Günter Gloser verwies darauf, dass es nach Auffassung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier darum gehe, im Kongo "einen politischen Prozess in Gang zu setzen". Deutschland habe auch bereits angekündigt, den teilweise durch Lava verschütteten Flughafen von Goma wieder zu reparieren. Zudem sei die zivile Hilfe aufgestockt worden.