Hubertus Pellengahr muss ahnen, wie ernst die Lage ist. Seit Wochen schon lobt der Sprecher des Deutschen Einzelhandels die Verbraucher, die "nicht durchdrehen" angesichts der aufziehenden Wirtschaftskrise. Quittiert den Einwand von Analysten, die dem Einzelhandel schwere Zeiten vorhersagen, mit den Worten, diese redeten die Branche schlecht. Spricht vom "realistischen Optimismus", mit dem die Händler auf das Weihnachtsgeschäft blickten.

So redet jemand, der verstanden hat, dass mindestens die Hälfte dieser Wirtschaftskrise Psychologie ist. Und der weiß, wie sehr es nun darauf ankommt, dass die Verbraucher ihr Vertrauen nicht verlieren. Zwar waren die Deutschen in den vergangenen Monaten alles andere als eifrige Konsumenten: Nach OECD-Schätzungen werden die privaten Ausgaben in Deutschland 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent sinken. Aber jetzt, da die Exporte und Investitionen der Unternehmen wegbrechen, kommt es mehr denn je auf sie an. Trotzen die Verbraucher der Krise und kaufen mehr ein, könnten sie den Abschwung abmildern. Treten sie aber in den Käuferstreik, reißen sie die Wirtschaft weiter hinab.

Beide Szenarien kursieren derzeit. Optimisten verweisen darauf, dass die Konsumlaune der Verbraucher für November, und – überraschenderweise – auch für Dezember gestiegen ist, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) meldet. Viele Händler – etwa der Elektronik-Discounter Mediamarkt – verzeichnen zudem keine Einbrüche im laufenden Weihnachtsgeschäft. "Die Verbraucher reagieren im Moment gelassen, die Krise ist bei ihnen noch nicht angekommen", meint auch Wolfgang Twardawa, der als Konsumforscher bei der GfK arbeitet.

Pessimisten aber verweisen auf andere Zahlen: Die Umsätze des Einzelhandels sanken zuletzt ab, im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 1,6 Prozent. Und eine Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young unter 3000 Verbrauchern ergab vor wenigen Tagen, dass diese mehr sparen und auf große Anschaffungen verzichten wollen. Das Institut TNS Infratest will zudem herausbekommen haben, dass die Deutschen in diesem Jahr im Durchschnitt in diesem Jahr nur 242 Euro für Geschenke ausgeben wollen – vor einem Jahr waren es noch 20 Euro mehr.

Glaubt man den Experten, wird sich erst in den nächsten Wochen entscheiden, wie sich die Konsumenten verhalten werden. "Es ist derzeit ein schmaler Grat", sagt Arnd Schäfer, Volkswirt bei der WestLB. Zwei Trends laufen dabei gegeneinander: Einerseits sind die Löhne in Deutschland zuletzt deutlich gestiegen, die Preise gefallen, die Arbeitslosigkeit auf dem tiefsten Stand seit Jahren – die Menschen haben mehr Geld in der Tasche, um es auszugeben. Auch ist die Sparquote der Deutschen bereits jetzt ungewöhnlich hoch. Anders als im Sommer, als der Ölpreis neue Höchststände verzeichnete, steht dem großen Einkauf  nichts mehr im Wege.