Gegen den Tod kann man nicht anreden. Gegen die Verzweiflung darüber schon eher. Dann kann es zuweilen ganz lustig werden. Das in etwa ist die kleine Lebensphilosophie von Bombel, dem unheroischen Helden aus dem gleichnamigen Roman des polnischen Autors Mirosław Nahacz.

Die Menschen im Dorf schlafen noch, Bombel sitzt an der Bushaltestelle und redet. Käme doch jemand vorbei, er wunderte sich nicht. Bombel sitzt dort immer, redet mit sich selbst, freut sich über eine Zigarette oder einen Schluck Wein, und manchmal freut er sich auch, sich selbst mit einer besonders gelungenen Pointe überrascht zu haben. Bombel ist der Dorfdepp, wie es ihn zu Tausenden gibt. Ein armes Schwein im Grunde, dem es längst selbstverständlich geworden ist, dass die Leute auf ihn herabsehen. Er nimmt es so hin.

Genauso wie er hinnahm, dass seine Frau ihn auf Nimmerwiedersehen verließ. Die wenigen Kühe, die ihm auf seinem Hof geblieben waren, hat er verkauft, um den Erlös in Alkohol anzulegen. Nachdem aber auch der größte Vorrat mal aufgebraucht ist, verbringt Bombel den Großteil seines Lebens an der Bushaltestelle. Ein wenig hofft er dabei auf ein größeres oder ein kleineres Wunder: Dass ihn der Bus auch ohne Fahrschein einmal mitnehmen wird. Oder dass eine Frau vorbeikommt, die endlich ihn, den Bombel, will. Aber natürlich ist er einer, der sich nur noch die Tagesschausprecherin herbeifantasieren und allenfalls, mit ganz viel Glück, einmal heimlich zuschauen kann, wie andere sich miteinander vergnügen.

In diesem Morgengrauen nun, als die Menschen um ihn herum noch schlafen, will kein Wunder geschehen, kein großes und kein kleines. Keine Kippe lässt sich in den Ritzen der Haltestellenbank finden, und auch der Kumpel Pietrek kommt nicht mit einer Flasche Wein vorbei. Von einer Frau ganz zu schweigen.

Gegen Hoffnungslosigkeit kann man anreden. Gegen den Tod eben nicht. Und so kann Bombel noch so viele sprachspielerische Kabinettstückchen schlagen: Er wird den nächsten Tag nicht erleben. Das ahnt man bald, und es wird klarer in dem Maße, wie Bombels Schmerzen stärker werden und das Delirium dichter, in das ihn Hunger und der Mangel an Alkohol treiben.

Wendedikt Jerofejew hat in Die Reise nach Petuschki einen grandiosen Monolog über das exzessive Trinken geschrieben. Seine Protagonist will mit einem Koffer voller Alkohol und einiger absurder Flüssigkeiten mehr im Zug von Moskau nach Petuschki fahren, ohne dort jemals anzukommen. Nahacz erzählt auf nur gut 160 Seiten vom Danach: Hier wird nicht mehr getrunken, und Bombel wird auch nicht mehr in einen Bus steigen. Nur noch die Sprache selbst ist in Bewegung. Federleicht und hakenschlagend, zugleich ungeheuer komisch und von tiefer Traurigkeit, wie man es außer von Robert Walser nur von wenigen kennt.