Eins haben die drei großen weltweiten Schulstudien Pisa, IGLU und TIMSS allemal gemeinsam: Ihre Ergebnisse bleiben nie bis zum international ausgemachten Verkündungstermin geheim - mögen die angedrohten Geldstrafen und Zwangsmaßnahmen für Wissenschaftler wie Politiker noch so umfangreich sein. Zu groß ist das Medieninteresse und auch der Wunsch nach Interpretationshoheit über die Ergebnisse. Diesmal lag das TIMSS-Informationsloch in Österreich.

Schon am Samstag veröffentlichten dort mehrere Medien vorab die weltweit begehrten TIMSS-Leistungspunkt-Tabellen via Internet - was doch eigentlich offiziell erst am Dienstag bekannt werden sollte.

Dabei wissen Bildungsforscher wie Kultusminister in Deutschland und Spanien aktuell ein Lied davon zu singen, welcher Unbill nach einem Embargobruch der weltweiten Veröffentlichungssperrfrist eintritt. Beide Staaten wurden in diesem Jahr vom internationalen Informationsfluss der Schulforschung ausgesperrt, nachdem Ende 2007 zunächst Teile der jüngsten Pisa-Ergebnisse in einer spanischen Lehrerzeitung, das komplette Staaten-Ranking dann wenig später in Deutschland publik wurde.

Aber auch in früheren Jahren hatte es in Deutschland immer wieder Pisa- wie TIMSS-Vorabveröffentlichungen gegeben. Doch nie zuvor war dabei die Quelle eindeutig. Monatelang beschäftigten sich jedes Mal danach größere Beamtenstäbe bei der Kultusministerkonferenz in Bonn, im Bundesbildungsministerium in Berlin, in deutschen Schulforschungsinstituten wie auch bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris mit der Suche nach dem Info-Leck.

Nach den von der österreichischen Unterrichtsministerin Claudia Schmied am Wochenende im Fernsehen bestätigten neuen TIMSS-Leistungspunkt-Tabellen belegen die deutschen Viertklässler im weltweiten Vergleich in Mathematik wie Naturwissenschaften einen passablen 12. Platz - liegen also damit im oberen Mittelfeld der rund 40 Teilnehmerstaaten.

Allerdings hinken die deutschen Grundschüler aus der Heimat des weltweit bekannten Rechenmeisters Adam Riese mit ihren Mathe-Kenntnissen ihren Mitschülern aus den TIMSS-Siegerländern Hongkong und Singapur fast zwei Jahre hinterher. Nicht ganz so krass fällt der Lernvorsprung beim naturwissenschaftlichen Wissen aus. Japanische Viertklässler zum Beispiel sind den Deutschen ein knappes halbes Jahr voraus. Dabei hatte Japan bei seiner großen Lehrplanrevision vor zehn Jahren Unterrichtsinhalte wie Methoden aus Deutschland kopiert.