Die US-Automobilkrise hat Schweden erreicht. Nur einen Tag nachdem der krisengeschüttelte Ford-Konzern angekündigt hat, die Pkw-Sparte von Volvo unter allen Umständen abzustoßen, gab auch der Saab-Eigentümer General Motors bekannt, die schwedische Tochter loswerden zu wollen. Dies solle so schnell wie möglich geschehen, so GM-Vizechef Frederick Henderson, man erwäge alle erdenklichen Möglichkeiten.

Offenbar wird sogar ein Verkauf ins Ausland diskutiert. Wie die chinesische Zeitung National Business Daily berichtet, verhandelt Ford zurzeit mit der Changan Automobile Group aus China über den Verkauf von Volvo. Sechs Milliarden US-Dollar erhoffen sich die Amerikaner offenbar vom einem erfolgreichen Geschäft. Schwedische Wirtschaftsexperten gehen allerdings inzwischen sogar davon aus, dass die beiden Traditionsmarken komplett vom Markt verschwinden könnten.

Ein Aus von Volvo und Saab wäre fatal. Für das kleine Schweden mit seinen nur neun Millionen Einwohnern ist die Autobranche ein zentraler Stützpfeiler der Volkswirtschaft. 24.000 Arbeitsplätze sind direkt, insgesamt 150.000 indirekt von ihr abhängig, die Branche ist einer der wichtigsten Arbeitgeber an der Westküste rund um Göteborg. Zudem war sie bisher eine wichtige Einnahmequelle von Devisen für Schweden.  

Die bürgerliche Regierung reagiert bislang allerdings abwartend. Trotz voller Haushaltskassen weigert sie sich, schützend einzugreifen - das sei den Steuerzahlern nicht zuzumuten. Industrieministerin Maud Olofsson betonte: "Es ist nicht Aufgabe des Staats, Autofabriken zu betreiben." 45 Millionen Euro Forschungsbeihilfen und eventuell Kreditgarantien will sie allerdings gewähren.

Die Opposition, die schwedischen Sozialdemokraten, werben dagegen für eine staatliche Lösung. Die Regierung solle "schnell und entschlossen" handeln und sich zumindest auf eine Teileignerschaft einstellen, verlangt Parteichefin Mona Sahlin. Selbst über eine Notfusion von Volvo und Saab wird nachgedacht.