Das kommende Jahr wird ein Krisenjahr. In einer weltweit vernetzten Ökonomie ist der Abschwung schon jetzt in allen Regionen und Wirtschaftsbereichen zu spüren. Die Arbeitslosigkeit steigt rund um den Globus, Fabriken schließen, und Regierungen vieler Länder versuchen, ihre Volkswirtschaft mit Staatsgeld zu stabilisieren.

Kurzfristig werden alle verlieren: Die Kaufkraft der Verbraucher wird sinken und mit ihr die weltweite Nachfrage. Das belastet die Unternehmen; viele werden ihre Selbstständigkeit aufgeben müssen. Vielleicht können einige Profit aus dem Konsolidierungsprozess schlagen und Marktanteile gewinnen. Discounter wie Aldi, Lidl oder Wal-Mart beispielsweise oder Industrieunternehmen, die sich rechtzeitig auf neue Konsumgewohnheiten eingestellt haben, wie Toyota und die Volkswagen-Gruppe im Automobilbau oder E.on und BP im Energiesektor. Doch auch die wirtschaftliche Lage der vermeintlichen Gewinner ist schlecht.  Niemand kann sich der Krise entziehen.

Für die Zeit nach 2010 zeichnet sich jedoch ein etwas anderes Bild ab. Zwar sind die Schlagzeilen seit Monaten geprägt von Schreckensbotschaften zur ökonomischen Zukunft der westlichen Industriestaaten, allen voran die USA, Japan und die führenden westeuropäischen Wirtschaftsnationen. Gerade diese Länder haben jedoch die besten Möglichkeiten, die Finanzkrise zu  überwinden.

Es ist nicht ohne Ironie, dass ausgerechnet die Vereinigten Staaten – Ausgangspunkt der Kredit- und Bankenkrise und gebeutelt von schweren wirtschaftlichen Turbulenzen – zu den mittelfristigen wirtschaftlichen Gewinnern zählen werden. Getragen von enormen staatlichen Finanzhilfen, Konjunktur- und Infrastrukturprogrammen, wird das Land seine Schwierigkeiten schneller meistern als viele Entwicklungs- und Schwellenländer, denen die Darlehen und Strukturanpassungsprogramme von Weltbank und Internationalem Währungsfonds häufig ähnliche Staatshilfen für die Wirtschaft verbieten.

Für die USA spricht außerdem die schiere Größe ihres Marktes. Kalifornien alleine wäre als unabhängiger Staat unter den zehn stärksten Wirtschaftsnationen der Welt. Hinzu kommt die militärische und politische Führungsrolle des Landes. Beides macht einen wirtschaftlichen Absturz unwahrscheinlich, der dramatischer ist und länger anhält als der Abschwung anderer Nationen.

Einige Europäische Länder - nicht zuletzt Deutschland - werden ebenfalls relativ glimpflich davonkommen. Sie profitieren von einem etablierten Wohlfahrtssystem, das Verfechter einer deregulierten  Marktwirtschaft in der Vergangenheit oft als untragbar kritisiert haben. Wie die USA haben auch sie die Kraft, ihre Wirtschaft mit staatlichen Geldern zu stützen und die größten sozialen Härten abzufangen.