Ein Hafen voller Schiffe war in Bremerhaven jahrelang Zeichen für ein blühendes Umschlagsgeschäft. Derzeit ist es anders. Neun große Auto-Frachter liegen an den Kais und bringen Autos, die niemand will. Japanische Familienkutschen, koreanische Geländewagen, deutsche Luxusschlitten, Lieferwagen, ja sogar Mähdrescher und Bagger blockieren nahezu jeden freien Platz.

Normalerweise befinden sich zwischen 60.000 und 80.000 Fahrzeuge auf den Stellflächen und in den Hochregalen, häufig nur für wenige Stunden, manchmal auch für vier Wochen. Im Terminal und den beiden angrenzenden Technikzentren werden importierte Neuwagen entwachst und gesäubert oder ganze Sonderserien aus- und umgerüstet. Jetzt ist wenig los. "Autos, die nicht verkauft werden, können wir auch nicht umschlagen, nicht technisch bearbeiten und nicht transportieren, sagt der Chef der BLG Logistics Group, Detthold Aden mit leichter Resignation.

Vor einem Jahr noch befand sich der Hafen auf Wachstumskurs. Im Jahr zuvor waren erstmals mehr als zwei Millionen Fahrzeuge aus Fernost, aus den US-amerikanischen Werken deutscher Hersteller oder aus den deutschen Werken durch den Bremerhavener Terminal geschleust worden. Noch vor fünf Monaten wollte Bremens Wirtschaftssenator Ralf Nagel (SPD) im laufenden Jahr zehn Prozent mehr schaffen. Das erste Halbjahr war von dieser Rate gar nicht so weit entfernt.

Doch jetzt ist der Automobilumschlag zum Stillstand gekommen. Was derzeit noch von Autotransportern wie "Danube Highway" oder "Morning Champion" rollt, kommt schon wenige Meter neben dem Schiff endgültig zum Stehen. Weil die Stellflächen fast voll sind, hat die BLG bereits Platz auf dem Containerterminal geräumt; weitere Fahrzeuge  werden auf Eisenbahnwaggons zwischengelagert. Schiffe, die Exportfahrzeuge in die USA bringen sollen, bleiben fast leer.

Als die Verkaufszahlen mit den zusammenbrechenden Finanzmärkten in den Keller rauschten, befanden sich die meisten der jetzt eingelagerten Neuwagen bereits auf dem Schiffsweg nach Bremerhaven. Immer noch steuern die schwimmenden Autotransporter den Hafen an. Rund 100.000 Fahrzeuge finden rein rechnerisch hier Platz. Um den Jahreswechsel könnte die Kapazität nicht mehr ausreichen.