Dort, wo die Weser einen großen Bogen macht, wie es im Vereinslied von Werder Bremen heißt, zieht ein Jogger einsam seine Bahn entlang der Promenade. Bei jedem Atemzug bläst er kleine Nebelschwaden vor sich her. Es ist früh an diesem kalten Dezembertag. Kaum jemand nimmt Notiz von Thomas Schaaf, auf dessen Kapuzenshirt das Werder-Logo leuchtet.

Der 47-Jährige ist seit fast zehn Jahren Trainer in Bremen, kein anderer Bundesligacoach ist so lange im Amt. Seit mehr als 35 Jahren ist Schaaf im Verein. Als Profi hat er die deutsche Meisterschaft, den DFB-Pokal und den Europapokal gewonnen. Als er im Mai 1999 Felix Magath als Cheftrainer ablöste, sagten viele, Werder Bremen sei eine graue Maus. Schaaf führte den Verein zum Double (Bundesligameister und DFB-Pokalsieger) und fünfmal hintereinander in die Champions League. Beim Laufen, sagt Schaaf, bekomme er am besten den Kopf frei: "Da kommen mir auch die besten Ideen im Hinblick auf meine Arbeit."

Gute Ideen sind gefragt im krisengeschüttelten Bremen. Die Stars um Diego & Co. geben auf dem Fußballplatz ein ähnlich graues Bild ab, wie dieser Dezembertag. In der Liga dümpelt der Meisterschaftskandidat im Mittelfeld herum. Aus der Champions League hat sich Werder nach einem 2:2 beim zyprischen Außenseiter Anorthosis Famagusta verabschiedet.

Nach dem 2:1-Erfolg am Dienstag gegen Inter Mailand bleibt wenigstens der UEFA-Pokal. Der ansonsten rhetorisch so gewandte Sportdirektor Klaus Allofs sagte an diesem Abend einen Satz, den man eher von einem Zehnjährigen erwartet hätte. "Die Champions League ist toll, aber der UEFA-Cup ist auch gut." Als Werder in den vergangenen Jahren ausschied, verkündeten die Bremer: "Wir wollen den UEFA-Cup holen." Jetzt sagt Allofs: "So wie unsere Mannschaft spielt, haben wir keine Gründe, von fernen Zielen zu träumen."

Anfang November hatte Werder gegen Panathinaikos Athen mit 0:3 verloren. Es war der Tiefpunkt einer völlig verkorksten Hinserie. Die Spieler machten dieselben Fehler wie seit Wochen. Einmal mehr hatten sie die Balance zwischen Offensive und Defensive nicht gefunden. Vor allem aber vermissten die Fans die Leidenschaft, den Siegeswillen, der die Mannschaft seit Jahren ausgezeichnet hatte. Spät am Abend stellte dann ein Journalist die Frage, die ewig nicht gestellt wurde. "Steht die Klubführung noch hinter Thomas Schaaf, erreicht er noch die Mannschaft?" Die Trainer-Frage galt als Tabu. Klaus Allofs beantwortete sie kurz und knapp: "Thomas Schaaf besitzt unser uneingeschränktes Vertrauen." Dass sich dessen Methoden abgenutzt hätten, wollte auch Torsten Frings nicht gelten lassen. Es wären ja kaum Spieler im Kader, die langfristig unter ihm trainiert hätten.

Schaaf spricht von "mangelnder Sicherheit im Spiel". Davon, dass die Automatismen auf dem Feld nicht greifen würden. Während der Pressekonferenzen wirkt er wie ein Sprechroboter. Medienarbeit war trotz gelegentlicher Höhepunkte seines trockenen Humors nie sein Steckenpferd. Der Trainer ist misstrauischer geworden, wirkt leidenschaftslos, genervt, manchmal ratlos.