Der Wechsel Timo Hildebrands nach Hoffenheim erfährt in den Zeitungen viel Beachtung. Die FAZ kürt ihn zum "Glückspilz der Woche", womit betont ist, wie schnell sich die Dinge im deutschen Fußball geändert haben: Als Hildebrand im Sommer 2007 als Deutscher Meister und mutmaßlicher künftiger Nationaltorhüter von Stuttgart nach Valencia ging, war Hoffenheim gerade in die Zweite Liga aufgestiegen. Anderthalb Jahre später darf er froh sein, dass er von Valencias Tribüne ins Hoffenheimer Rampenlicht darf. Ingo Durstewitz (FR) fasst zusammen: "Ausbootung in Valencia, Rauswurf aus der Nationalmannschaft. Der Überflieger fiel tief – aber jetzt ist er weich gelandet. Im aufregendsten Fußballdorf Deutschlands."

Hoffenheim ist Tabellenführer mit Spielern, von denen kein einziger vorher in der Bundesliga für Aufsehen gesorgt hat. Daher ist der Hildebrand-Transfer auch für Hoffenheim ein neuer Schritt. Die Berliner Zeitung hält fest: "Bislang haben sich die Hoffenheimer ihre Stars selbst gemacht, Hildebrand ist der erste verpflichtete Star", die Stuttgarter Zeitung ergänzt: "Der erste prominente Fußballprofi im Kraichgau".

Zum gewöhnlichen Bayern-Coach domestiziert

Bayern München ist nicht erst seit dem 3:2 in Lyon längst wieder auf Kurs, doch den Anteil Jürgen Klinsmanns an den Erfolgen stellt die Presse infrage. Zumindest seien seine angekündigten Reformen nicht umgesetzt. Christian Schreider (Financial Times Deutschland) beschreibt eine Restauration, Klinsmann beim Wort nehmend: "Wie es aussieht, sind die Bayern wieder ganz die Alten: abgezockt, kaltschnäuzig, erfolgreich. Taktische Innovationen braucht der FC Bayern nicht zu zeigen: Er hat ja Franck Ribéry. Klinsmanns Ideal vom vertikalen Tempofußball praktizierte anfangs eher Lyon. Überhaupt sind die Philosophien, Ansätze und Maßnahmen des als Fußballrevolutionär angetretenen Klinsmann seltsam geräuschlos in den Hintergrund gerückt. Er wirkt still und zum ganz gewöhnlichen Bayern-Coach domestiziert."

Bei der Inspektion entdeckt Sebastian Krass (Stuttgarter Zeitung) einige Mängel: "Die Bayern wirken im Moment wie ein Auto, das vorne einen 400 PS starken Motor unter der Haube hat und damit unaufhaltsam nach vorn prescht. Hinten aber klappert der Kofferraum. Und bei dem Tempo, das künftig in der Champions League gefordert ist, könnte schnell auch die Hinterachse brechen." Die FAZ meint in dem Lyon-Spiel Bayerns Vorrunde gespiegelt: zu sehen "attraktiver, temporeicher Offensivfußball", nach dem Gegentor "ein verschreckter Hühnerhaufen".

Bergauf, bergab

Werder Bremen gelingt durch einen 2:1-Sieg gegen Inter Mailand immerhin die Qualifikation für den Uefa-Pokal. Frank Heike (FAZ) pocht darauf, dass es dennoch ein Fehlschlag bleibt, in dieser leichten Gruppe auszuscheiden: "Es waren die Schwächen gegen kleine und mittlere Konkurrenten, die Werder in der Champions League und bisher auch in der Bundesliga zum Verhängnis wurden. Doch am Ende strahlte dieser Sieg gegen den italienischen Tabellenführer heller, als es ihm gebührte. Inter spielte einfach schwach." In der SZ lesen wir: "Bergauf und bergab – die Rätselhaftigkeit von Werder Bremen wird durch das 2:1 gegen Inter Mailand bestätigt."

Ein Rätsel

Ronald Reng (FR) gibt angesichts der Entlassung Bernd Schusters die schwierigen Umstände in Madrid, nämlich das ahnungslose Präsidium, zu bedenken, ohne Schuster freizusprechen: "Zu viel in diesem Klub wird in Kurzschlusshandlungen entschieden, vor allem das Wichtigste, die Spielerkäufe. Heraus kam eine Elf ohne einen rechten Mittelfeldspieler und mit nur einem – nun verletzten –  Mittelstürmer von Klasse, Ruud van Nistelrooy. Das relativiert Schusters jüngste Misserfolge. Ernsthaft verteidigen aber kann ihn niemand. Er wird, das bestätigte er in den anderthalb Jahren in Madrid, bis zu seinem Lebensende ein Rätsel bleiben, auch sich selbst. Er verträgt Niederlagen nicht, sie rauben ihm den Verstand, und offenbar entzog er seiner Elf die Liebe. (…) Ein so unsteter Verein ist kein Ort für einen Trainer, der sich nicht beherrschen kann."