Chrysler oder General Motors (GM): Mindestens einer der beiden großen amerikanischen Autokonzerne dürfte schon bald gezwungen sein, offiziell Konkurs anzumelden, nachdem die Republikaner im Senat ihre Zustimmung zum geplanten Rettungspaket verweigerten. "GM hat vermutlich noch Zeit bis Januar", sagt Berater Erich Merkle aus Grand Rapids in Michigan, der Heimat der amerikanischen Automobilindustrie. Andere Fachleute fürchten einen Bankrott noch vor Weihnachten. Der Konzern soll schon einen Insolvenzberater engagiert haben, berichtet das Wall Street Journal.

Die Big Three ereilt nun die Strafe für jahrelange Managementfehler. Doch die Folgen treffen die gesamte amerikanische Wirtschaft hart, mitten in einer schweren Rezession. Drei Millionen Jobs sind gefährdet vor allem in Regionen, in denen schon viele Menschen arbeitslos sind. Hinzu kommen Hunderttausende Ruheständler, die ihre Pensionen verlieren könnten.

Melde nur einer der "Großen Drei" Bankrott an, könnte die ganze Autoindustrieim Land zusammenbrechen, schreibt Equinet-Analyst Tim Schuldt in einer Reaktion auf die Verweigerung der Hilfen durch den Senat. Das zielt vor allem auf die Zulieferer. Rund drei Viertel jedes Fahrzeugs wird in ihren Werken gefertigt, ein großer Teil auch von ihnen montiert. Viele sind sehr abhängig von den Herstellern. Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb hoch, dass einige ebenfalls in die Tiefe stürzen, wenn ein großer Autobauer kollabiert.

Schon jetzt ist die Lage mancher Betriebe kritisch. Sie verzeichneten Zahlungsausstände von teilweise bis zu einem dreiviertel Jahr, sagt der Branchenfachmann Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Bricht ihnen in so einer Situation ein großer Kunde weg, dann sind sie tot. Selbst ein großer Konzern wie Continental, der unter einer dünnen Kapitaldecke leidet, könnte ins Wanken kommen."

Vor allem die amerikanischen Zulieferer träfe die Insolvenz eines Autobauers hart. Doch auch viele deutsche Konzerne sind in den USA aktiv, neben Conti beispielsweise Bosch, ZF oder Hella. Deutsche Mittelständler hingegen, die sich stärker auf den heimischen Markt konzentrieren, könnten vergleichsweise glimpflich davonkommen, hofft Dudenhöffer. Doch sie alle haben ein eigenes Interesse daran, dass die Amerikaner überleben.

Im Moment fürchten vor allem die europäischen Töchter der "Großen Drei", unter ihnen Opel, um ihre Zukunft. Doch kein Unternehmen der Branche scheint wirklich sicher vor den Folgen einer möglichen GM- oder Chrysler-Pleite. Die Unternehmen sind stark vernetzt, die großen Zulieferer arbeiten meist für mehrere Kunden. Kommt einer von ihnen ins Trudeln, fällt möglicherweise auch der Nachschub für die Konkurrenten der Big Three aus. Das würde die Bänder selbst bei eigentlich soliden Autobauern wie Toyota stillstehen lassen – mit weiteren Folgen auf deren Zulieferer. "Eine Abwärtsspirale", sagt Dudenhöffer.