Wird dieser Mittwoch in die Annalen der Europäischen Union eingehen? Ihr Parlament verabschiedete in Straßburg mit großer Mehrheit das sogenannte Klimapaket. Das war keine Überraschung, hatten sich doch die führenden parlamentarischen Berichterstatter schon am Wochenende festgelegt und das Abkommen gutgeheißen. Zur Eröffnung der Plenarsitzung wies Umweltkommissar Stavros Dimas allen den richtigen Weg zur Klagemauer: Wer unzufrieden mit den Klimabeschlüssen der Staats- und Regierungschefs sei, der solle sich zu Hause in seinem Mitgliedsland beschweren.

Und unzufrieden zeigte sich während der Debatte denn auch so mancher Abgeordnete. Nach der Entscheidung der Regierungen seien die Emissionsziele noch schwerer zu erreichen, warnte der Brite Graham Watson, der Führer der Liberalen im Europäischen Parlament. Vielen Grünen waren in der Debatte die Vorgaben für erneuerbare Energien oder den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen zu lasch, und die laute oder stille Genugtuung der Chemie- oder Automobilindustrie machte sie stutzig bis misstrauisch. All das gaben die Abgeordneten in Straßburg nicht nur im Plenum zu Protokoll, sondern trugen es auch auf den Gängen den Berichterstattern nimmermüde vor.

Schützenhilfe bekamen die Kritiker des Klimapaketes diese Woche von überraschender Seite. "Die Konzessionen gegenüber der Schwerindustrie sind ein hoher Preis für die politische Einheit" der EU, befand die Financial Times aus London. Nun schreibt sich das leichter in einem Land, das selbst eine Schwerindustrie nur noch aus Geschichtsbüchern kennt. Und doch sind die Argumente der britischen Kommentatoren nicht von der Hand zu weisen.

Sicher, die aufziehende Rezession macht es nicht einfacher, eine ehrgeizige Klimapolitik zu verfolgen. Aber wie will die bislang auf ihre Vorreiter- und Vorbildrolle so stolze EU eigentlich Ende kommenden Jahres bei der Kopenhagener UN-Klimakonferenz den Chinesen, Indern oder Russen Konzessionen für einen besseren Klimaschutz abhandeln, wenn sie am Ende dieses Jahres im eigenen Haus an lauter kleinen Kompromissen werkelt?

So betrachtet war das Votum der Europaparlamentarier also nicht so "revolutionär" oder "historisch", wie das der eine oder andere Redner in Straßburg glaubte oder glauben machen wollte. Die EU hält zwar an ihren ehrgeizigen Zielen fest und will bis 2020 den Primärenergieverbrauch um 20 Prozent und die Treibhausemissionen um 20 Prozent senken. Aber sie will ja auch, und so steht das im sogenannten Klimapaket, noch mehr tun, sofern nur andere Industrienationen wie die Vereinigten Staaten oder Schwellenländer wie China oder Indien ihrerseits in Vertragsform sich zur Bekämpfung des Klimawandels verpflichten.