Die Krawalle greifen aufs Ausland über

In der griechischen Hauptstadt ist es am sechsten Tag in Folge zu Krawallen und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei gekommen. Studenten, die die Universität besetzt halten, warfen am Morgen Steine und Brandsätze auf Polizisten. Später griffen sie mehr als zehn Polizeiwachen in der ganzen Stadt mit Steinen und Molotow-Cocktails an.

Der Tod des 15-Jährigen hatte vor vier Tagen in Griechenland die schwersten Krawalle seit Jahrzehnten ausgelöst. Nun muss der Polizist, der den tödlichen Schuss abgegeben hatte, in Untersuchungshaft. Nach Angaben seines Rechtsanwalts wird er jedoch durch die ballistische Untersuchung entlastet. Der noch nicht veröffentlichte Bericht komme zu dem Schluss, dass es sich um einen Querschläger gehandelt habe, sagte der Anwalt griechischen Medien. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

Der 37-jährige Polizist hatte mehrmals beteuert, lediglich drei Warnschüsse abgefeuert zu haben; das Opfer sei von einem Querschläger getroffen worden. Einem 31-jährigen Polizei-Kollegen wird Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen. Auch er bleibt in Untersuchungshaft.

In Madrid wurden in der Nacht neun Randalierer festgenommen, die im Stadtzentrum gegen die Erschießung des jungen Griechen demonstriert und die Scheiben eines Polizeireviers eingeschlagen hatten. Mehrere Beamte wurden nach Angaben der Behörden bei dem Angriff verletzt. In Barcelona kamen etwa 300 junge Leute zu einer nicht angemeldeten Demonstration zusammen. Die Polizei löste die Kundgebung auf, nachdem Teilnehmer Steine gegen Geschäftsstellen von Banken geschleudert hatten. Die Beamten nahmen zwei Gewalttäter fest, darunter eine junge Griechin.

Zu Ausschreitungen kam es nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur ANSA am Abend auch in Rom und Bologna. In der italienischen Hauptstadt seien Soldaten nach einer Kundgebung vor der griechischen Botschaft von Demonstranten mit Steinen attackiert worden. Dabei wurde ein Soldat verletzt. Bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten vor dem griechischen Generalkonsulat in Bologna wurden den Berichten zufolge fünf Polizisten verletzt.

Auch in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen löste die Polizei am Abend eine nicht genehmigte Kundgebung auf. Die knapp 200 Demonstranten erklärten in Sprechchören ihre Sympathie für die protestierenden Jugendlichen in Griechenland. 25 Demonstranten wurden festgenommen.

Die Krawalle greifen aufs Ausland über