Am Ende der Gespräche von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehreren Ministern mit Top-Managern, Ökonomen sowie Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften könnte vielleicht eine gemeinsame Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung im nächsten Jahr stehen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag. Möglicherweise gebe es auch eine "minimale Einschätzung" darüber, welche möglichen weiteren Konjunkturhilfen sinnvoll sind und welche nicht. Dies wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt schon sehr viel, sagte Steg.

Vertreter von Wirtschaft und Gewerkschaften hatten zuvor erneut dringend weiterer kräftige Stützungsmaßnahmen für die Konjunkturn gefordert. "Es gibt sicher kein Allheilmittel gegen die Krise, aber wir brauchen jetzt schon mutige Schritte", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig-Georg Braun.

Der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer, mahnte ein zweites Konjunkturpaket an. Der Präsident des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Josef Sanktjohanser, verlangte vor allem schnelle Steuerentlastungen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund schlug ein Konjunktur- und Beschäftigungs-Sofortprogramm in Höhe von gut 60 Milliarden Euro für 2009 vor. Dies entspräche etwa 2,5 Prozent des Bruttosozialprodukts. 2010 soll der Staat nach den Vorstellungen des DGB dann nochmals mehr als 40 Milliarden Euro zur Krisenbekämpfung ausgeben.

An dem Treffen am Sonntag im Kanzleramt werden neben Merkel, Finanzminister Peer Steinbrück und Wirtschaftsminister Michael Glos unter anderem Bundesbank-Präsident Axel Weber, Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, Telekom-Boss René Obermann, die Spitzen der Wirtschaftsverbände und führende Ökonomen teilnehmen. Konkrete Beschlüsse werden von der großen Runde mit über 25 Teilnehmern aber nicht erwartet.

Vier von fünf Bürgern sprechen sich angesichts der Wirtschaftskrise für Steuersenkungen aus. Konsumgutscheine in Höhe von 500 Euro zur Beflügelung der Konjunktur halten hingegen nur elf Prozent für sinnvoll. Das ergab eine Befragung von Infratest dimap im Auftrag der ARD. Die allgemeine und die persönliche wirtschaftliche Situation schätzen die Bürger sehr unterschiedlich ein: Während fast drei Viertel (73 Prozent) die Lage in Deutschland als schlecht beurteilen, empfinden knapp zwei Drittel (64 Prozent) ihre eigene ökonomische Situation als gut.