Von Henri Cartier-Bresson stammt der Ausspruch, als Fotograf müsse man sich seinem Gegenstand immer auf Samtpfoten, aber mit Argusaugen nähern, selbst wenn es sich um ein Stillleben handele. Und: "Nur kein Geschiebe und Gedränge – wer angeln will, darf das Wasser nicht trüben."

Daran hat sich Robert Lebeck stets gehalten. Vier Jahrzehnte lang hat er auf diese Art fotografiert. Wachheit, Neugierde und ein sicherer Instinkt für Themen und Situationen zeichnen ihn aus. Und die Fähigkeit zu warten und im richtigen Moment abzudrücken.

So wurde er zu einem der wichtigsten deutschen Fotojournalisten der Nachkriegszeit. 1952 erschien sein erstes Foto in einer Heidelberger Lokalzeitung – ein Bild von Konrad Adenauer. 1960 wurde er mit dem Degendieb bekannt. Lebeck war für die Hamburger Illustrierte Kristall drei Monate lang in Afrika unterwegs und erlebte den Kontinent im postkolonialen Aufbruch.

Die legendäre Aufnahme entstand während der Unabhängigkeitsfeiern in Leopoldville, der Hauptstadt von Belgisch-Kongo. König Baudouin fuhr im offenen Wagen durch die Stadt, als ihm ein junger Kongolese plötzlich seinen Degen entriss. Lebeck hielt als Einziger die Szene fest – und wurde berühmt.

In den Sechzigern zeigte der gebürtige Berliner den Deutschen, die sich weder Fernseher noch Fernreisen leisten konnten, wie es in der Welt zuging. Er reiste nach Italien und Spanien, später nach Asien und Russland und produzierte eindrückliche Bilderstrecken, vor allem für den stern .

Zwei Kameras und zwei Objektive genügten ihm zu seiner nüchternen, dokumentarischen Arbeit. Er vermochte große Zusammenhänge in einem einzigen Bild zu erzählen. Meist ohne Blitz, ohne Filter – direkte Fotografie. Schon bei der Wahl des Bildausschnitts berücksichtigte Lebeck das spätere Zeitschriften-Layout, ließ Platz für Überschriften und entschied sich vorzugsweise für Querformate. Ein Künstler des Pragmatismus und Chronist des bleibenden Augenblicks, dessen Werke jetzt im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen sind. Es ist die bislang umfangreichste Werkschau des heute 79-Jährigen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 23. März 2009