Durch den Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 verloren 60.000 Menschen auf Sumatra ihr Leben. Eine durch ein Erdbeben ausgelöste Flutwelle verwüstete damals die Region rund um die Stadt Banda Aceh an der Nordspitze der Insel. Die Flutwellen des Bebens mit der Magnitude 9,2 richteten rings um den Indischen Ozean gewaltige Zerstörungen an.

Aus dem Fund charakteristischer Sandablagerungen hatten US-Geologen im Oktober gefolgert, dass solche Naturkatastrophen etwa alle 600 Jahre auftreten. Doch auf Sumatra könnte das nächste schwere Erdbeben schon früher bevorstehen, warnt jetzt ein anderes Forscherteam. Kerry Sieh und seine Kollegen vom Kalifornischen Technologieinstitut Caltech berichten darüber im Magazin Science .

Im September 2007, drei Jahre nach dem verheerenden Tsunami, gab es auf Sumatra in der Region um die Küstenstadt Padang ein schweres Erdbeben. Dabei hob sich der Meeresboden um bis zu eineinhalb Meter. Korallen, die vorher unter Wasser lagen, tauchten plötzlich an der Oberfläche auf und bildeten eine bizarre Landschaft. Nach Ansicht der Forscher aus Kalifornien könnten diese gewaltigen Erdstöße der Anfang einer Serie gewesen sein.

Die Wissenschaftler errechneten anhand der Jahresringe alter Korallen, dass Erdbeben an der Westküste der indonesischen Insel seit mindestens sieben Jahrhunderten gehäuft auftreten – und zwar im Abstand von etwa 200 Jahren.

An vielen Orten der Welt lässt sich das Bebenrisiko aus historischen Aufzeichnungen abschätzen. Doch auf Sumatra sind schriftliche Belege rar. Dafür gibt es dort viele Korallen, die über Jahrhunderte Riffe aus Kalk gebildet haben – anhand dieser Kalkablagerungen konnten die Forscher nachvollziehen, wie sich der Meeresspiegel im Laufe der Zeit verändert hat.

Da Korallen zum Überleben Licht brauchen, wachsen sie dicht unter der Meeresoberfläche. "Wenn sich der Boden plötzlich und schnell hebt wie bei einem Erdbeben, ragt der obere Teil der Koralle über den Meeresspiegel hinaus und stirbt ab", erklärt der Geologe Lawrence Edwards von der Universität Minnesota. Fossile Korallen konservieren also die Geschichte des Meeresspiegels und der Beben.

Das Forscherteam reiste zu den Mentawai-Inseln nahe dem Epizentrum des Bebens von 2007. Dort nahmen die Geologen die abgestorbenen Korallen winziger Atolle unter die Lupe. Um herauszufinden, wann die Nesseltiere gestorben sein müssen, untersuchten sie den Kalk auf Thorium, ein radioaktives Zerfallsprodukt von Uran. Je älter der Korallenkalk ist, desto mehr Thorium enthält er.