Die Regierung unter Präsident George W. Bush steht möglicherweise vor einer Wende: Bisher weigerte sie sich, Staatshilfen für die krisengeschüttelte Autobranche aus dem Rettungspaket für die Finanzbranche (TARP) bereitzustellen. Doch nun schließt sie auch diesen Schritt nicht mehr aus.

"Angesichts des derzeit schwachen Zustands der Konjunktur prüfen wir andere Möglichkeiten, falls notwendig die Verwendung der TARP-Gelder, um einen Zusammenbruch der angeschlagenen Autobauer zu verhindern", sagte Präsidialamtssprecherin Dana Perino. Ein Kollaps in der Autoindustrie hätte ernsthafte Folgen für die Wirtschaft, warnte sie. Alle relevanten Parteien müssten dann aber erhebliche Zugeständnisse machen.

Auch das Finanzministerium ist bereit, die drohende Pleite eines Autoherstellers zu verhindern. "Da der Kongress gescheitert ist, stehen wir bereit, einen Kollaps zu verhindern, bis der Kongress wieder zusammenkommt und Maßnahmen zur langfristigen Existenzfähigkeit der Branche ergreift", sagte Finanzamtssprecherin Brookly McLaughlin.

Am Donnerstagabend war der Senat nach stundenlangen Verhandlungen mit dem Versuch gescheitert, in letzter Minute einen Kompromiss zu finden, um das 14 Milliarden Dollar umfassende Hilfspaket für die drei großen Autokonzerne auf den Weg zu bringen. Damit droht nach eigener Aussage sowohl der Opel-Mutter General Motors (GM) als auch der ehemaligen Daimler-Tochter Chrysler akut die Insolvenz. GM hatte gewarnt, man bräuchte Milliarden-Hilfen noch im Dezember, da es unklar sei, wie lange das Geld bei ihnen noch reicht. Ford, der dritte große Autobauer, gilt vorerst als etwas weniger gefährdet.

Bisher wollten die Autobosse eine Insolvenz um jeden Preis vermeiden, obwohl sie in den USA oft zur Sanierung angeschlagener Unternehmen eingesetzt wird. Unter dem sogenannten Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts können Firmen die Bedienung ihrer Schulden aussetzen und sich in Ruhe sanieren. Unter anderem so gut wie alle US-Fluggesellschaften hatten dies schon gemacht. Vor allem GM-Chef Rick Wagoner glaubt aber, selbst eine Insolvenz mit Gläubigerschutz könnte für einen Autohersteller tödlich ausgehen. Die Verbraucher würden keine Autos von einer Firma kaufen, die verschwinden könnte.

Die Big Three aus Detroit bekommen derzeit massiv die Finanzkrise und Konjunkturflaute zu spüren. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als ihre Bargeld-Reserven zu verbrauchen, die Einnahmen aus dem Tagesgeschäft reichen nicht mehr aus, um die laufenden Kosten zu decken. Die Nachfrage nach Autos ist in Amerika so schwach wie seit 15 Jahren nicht mehr. Den Konsumenten fehlt das Geld für den Kauf neuer Wagen, den Herstellern fehlen die Mittel für Investitionen. General Motors, Ford und Chrysler sind nicht zuletzt deshalb in Schwierigkeiten, weil sie massiv auf die jahrelang populären, aber Sprit schluckenden Geländewagen gesetzt haben.

In den USA hängen nach verschiedenen Schätzungen drei bis fünf Millionen Arbeitsplätze an der Autoindustrie. "Das wird ein schlimmes, schlimmes Weihnachten für viele Menschen", sagte der Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Harry Reid. Das Scheitern des Rettungsplans sei ein "Verlust für das Land".