Für die existenzbedrohte US-Autoindustrie gibt es kaum noch Chancen auf rasche Hilfe durch das geplante 14-Milliarden-Rettungspaket. Selbst stundenlange Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern hatten am Donnerstagabend keinen Kompromiss gebracht. Zwar stellten die Demokraten ihren Rettungsplan im Senat zur Abstimmung, doch sie fanden dafür keine Mehrheit. Eine Verabschiedung durch den US-Kongress noch in diesem Jahr ist damit unwahrscheinlich. Möglicherweise wird sich erst der neue Senat, der sich im Januar konstituiert, wieder mit dem Rettungspaket beschäftigen.

Vor allem der Opel-Mutterkonzern General Motors und die ehemalige Daimler-Tochter Chrysler stehen damit vor der Insolvenz. Beide hatten Milliarden-Kredite noch im Dezember verlangt. GM engagierte laut einem Zeitungsbericht bereits Insolvenzberater. Beide Unternehmen "verbrennen" derzeit ihre Bargeld-Reserven. Wie schnell GM und Chrysler das Geld ausgehen könnte, ist unklar. Bevor sie vor Kurzem noch eilige Kredite im Dezember gefordert hatten, hieß es, sie könnten bis ins nächste Jahr durchhalten. Ford gilt vorerst als etwas weniger gefährdet.

Eine Insolvenz wollten die Autobosse bisher um jeden Preis vermeiden, obwohl sie in den USA oft zur Sanierung angeschlagener Unternehmen eingesetzt wird. (siehe Infobox). Vor allem GM-Chef Rick Wagoner betont, selbst eine Insolvenz mit Gläubigerschutz könnte für einen Autohersteller tödlich ausgehen. Die Verbraucher würden keine Autos von einer Firma kaufen, die verschwinden könnte, argumentiert der Chef der Opel-Mutter. Opel beantragte bei der Bundesregierung bereits vor Wochen für den Fall einer GM-Insolvenz einen Bürgschaftsrahmen von mehr als einer Milliarde Euro. Berlin wollte nach bisherigen Angaben bis Weihnachten entscheiden.

Der US-Rettungsplan, der nur begrenzt den Forderungen der Auto-Unternehmen entsprach, war in tagelangen Verhandlungen zwischen den Demokraten und dem Weißen Haus entstanden. Er sah unter anderem vor, dass Präsident George W. Bush einen Beauftragten - den sogenannten "Auto-Zar" - ernennt, der die vom Kongress verlangte Umstrukturierung und Sanierung der Unternehmen überwacht. Dieser "Auto-Zar" hätte die Autobauer notfalls auch in ein Insolvenz-Verfahren zwingen können. Republikanische Senatoren hatten bemängeltet, er habe nicht genügend Macht, um eine tiefgreifende Umstrukturierung durchzusetzen. Der größte Fehler des Plans sei, "dass er heute Steuergelder für Reformen von morgen kostet, die vielleicht kommen oder auch nicht", meinte der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell.