In Berlin verdichten sich angesichts immer dramatischer Rezessionsprognosen die Anzeichen, dass die Bundesregierung nicht erst Anfang Januar, sondern nun doch bereits vor Weihnachten die Weichen für ein zweites Konjunkturpaket stellen könnte. So kommentierte beispielsweise Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Forderung nach einer "konzertierten Aktion" zur Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkrise, die zuvor Bundespräsident Horst Köhler in einem Zeitungsinterview erhoben hatte, mit den Worten: "Genau das wird am Sonntag verwirklicht".

Bundeskanzlerin Angela Merkel deutete ebefalls ab, dass die Regierung weitere staatliche Hilfsprogramme für die Kojunktur plant. "Deutschland ist sich seiner Verantwortung als größte Wirtschaftsmacht Europas bewusst. Und Deutschland wird laufend auch schauen, was müssen wir eventuell noch tun", sagte sie vor dem EU-Gipfel in Brüssel. Bisher hat die Koalition Entlastungen von rund 32 Milliarden Euro für Verbraucher und Unternehmen auf den Weg gebracht.

Am Sonntag trifft sich Merkel mit Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft und der Gewerkschaften sowie Wissenschaftlern zu einem Krisengipfel. An dem Treffen, an dem auch Glos und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) teilnehmen, sollen das mögliche Ausmaß der Wirtschaftskrise und geeignete Gegenmaßnahmen erörtert werden.

Köhlers Forderung nach einer konzertierten Aktion erinnert in diesem Zusammenhang bewusst an die Bekämpfung der ersten großen Nachkriegsrezession Ende der sechziger Jahre. Damals hatte sich die Große Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger mit den Arbeitgebern und den Gewerkschaften auf eine abgestimmte Wirtschafts- und Sozialpolitik verständigt, gleichzeitig wurde versucht, mit Konjunkturprogrammen die Wirtschaft wiederzubeleben. Zumindest kurzfristig war dieses Vorgehen erfolgreich. Die Wirtschaft konnte schnell wiederbelebt und der Anstieg der Arbeitslosigkeit gestoppt werden.

Ein Paket für 20 Milliarden Euro

Nach unterschiedlichen Zeitungsberichten wird darüber hinaus allen offiziellen Dementis zum Trotz sowohl in der Bundesregierung als auch in der SPD bereits an einem zweiten Konjunkturpaket gearbeitet. Im Gespräch ist demnach unter anderem ein weiteres kommunales Investitionsprogramm in Höhe von 20 Milliarden Euro. Einen Investitionspakt von Bund, Ländern und Kommunen hatte unter anderem der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gefordert.