Der künftige US-Präsident Barack Obama stellte seine Kandidatin am Donnerstag in Chicago offiziell vor und mahnte dabei eine strengere Regulierung der Börsen und einen "moralischen Wandel an der Wall Street" an. Die 53-jährige Schapiro sagte: "Das Vertrauen der Investoren ist die Lebensader der Finanzmärkte."

Schapiro genießt bei Demokraten und Republikanern gleichermaßen großen Respekt. Schon die Präsidenten Ronald Reagan, Bill Clinton und George W. Bush griffen auf sie zurück. Sie ist die erste Frau im SEC-Chefsessel, sofern ihre Nominierung vom Senat bestätigt wird, was aber als wahrscheinlich gilt. Schapiro führte bislang die Regulierungsagentur für Wertpapierhäuser und hatte schon zahllose leitende Positionen inne – darunter auch bei der SEC und der Aufsichtsbehörde für die Warentermingeschäfte (CFTC).

Ihre Nominierung legt nahe, dass Obama eine Fusion von SEC und CTFC erwägt – was Experten zur Modernisierung der Finanzmarkt- und Regulierungsstrukturen seit Langem fordern. Mit ihr würde Obama seine Linie fortsetzen, pragmatisch eher auf Kompetenz als auf Seilschaften zu setzen.

Beobachter erwarten, dass damit Unternehmen künftig ein schärferer Wind aus der Börsenaufsicht entgegenweht. Der aktuelle SEC-Chef Christopher Cox galt eher als Mann der langen Leine, was ihm jetzt zur Belastung wird. So gestand Cox in diesen Tagen Fehler seiner Behörde im Skandal um den mutmaßlichen 50-Milliarden-Dollar-Betrug des Finanzjongleurs Bernard Madoff ein.

Obama sagte, der Fall Madoff zeige, wie dringlich eine Reform der Finanzmarkt-Regulierung sei. Der "massive Betrug" sei teils erst möglich geworden, "weil Wall-Street-Regulierer versagt haben". "Wir werden unsere Regulierungsapparat massiv stärken müssen", um die Märkte durch das 21. Jahrhundert zu führen. Dies sei eine seiner ersten Initiativen. Obama wird am 20. Januar die Nachfolge von George W. Bush antreten.

Auch allgemein waren in diesem Jahr Zweifel an der Kompetenz der Behörde aufgekommen, der inzwischen auch eine Mitschuld an der Ausweitung der Finanzkrise gegeben wird. So soll die mit der Beobachtung von börsennotierten Firmen beauftragte SEC auf sich abzeichnende Schieflagen bei den US-Traditionsbanken Bear Stearns und Lehman Brothers zu spät reagiert haben. Zu lockere Vorschriften werden zudem dafür verantwortlich gemacht, dass sehr viele unsichere Kredite während des Immobilienbooms in den USA vergeben wurden. Indes wird auch darauf verwiesen, dass die SEC massive Kürzungen ihrer Budgets hinnehmen musste und es deshalb für Cox zunehmend schwerer geworden sei, ein schlagkräftiges Haus zu etablieren.