Die Eltern von Alexis Korner müssen Idioten gewesen sein, vielleicht haben sie aber so zur Entstehung des britischen Rock beigetragen. Korner schrieb, er habe eine ekelhafte Kindheit gehabt, sei jedoch darüber hinweg. Die Familie – der Vater Kaufmann und Ex-Kavallerieoffizier aus Wien, griechisch-türkische Mutter – war immer auf Achse durch ganz Europa und Nordafrika, bis sie auf der Flucht vor dem Zweiten Weltkrieg nach England geriet.

Korner, am 19. April 1928 in Paris als Alexis Andrew Nicholas Koerner geboren, erinnert sich an schräge Kostümfeste, bei denen er mit Ukulele im Matrosenanzug oder als Hula-Girl auftreten musste. Und an ein Klavier, das er zwar seit seinem fünften Lebensjahr zu spielen lernte, aber Boogie-Woogie war verboten, weil da der Papa sauer wurde: Er schloss den Tastaturdeckel zu – und Alexis lernte Gitarre spielen.

Zu behaupten, er habe da schon den Blues begriffen, wäre übertrieben. Aber als er ihn im Londoner Luftschutzkeller am Radio hörte und ihn nach dem Krieg als musikalischer Halbprofi spielte, wusste er: Das ist seine Musik. "Ich bin teilweise türkisch", sagte er später, "teils bin ich griechisch und teils österreichisch. Und weil ich keine teils türkische, teils griechische und teils österreichische Musik kenne, fühle ich mich überaus befähigt, Blues zu spielen."

In den Jahren 1947 und 1948 legte Alexis Korner für den britischen Soldatensender BFN in Deutschland Platten auf, spielte in Hamburger Jazzlokalen, kam dann in Großbritannien zur Band von Chris Barber. Die spielte, was alle spielten: Dixieland, verjazzten Country, Skiffle, Boogie Woogie. Aber das Bandmitglied Cyril Davies, ein Mundharmonika-Spieler und Blues-Fan, stand wie Korner auf den echten Stoff, den schwarzen Blues, den in Europa noch kaum jemand kannte: Er stand im Schatten des britischen Mersey Beat und des weißen Rock‘n‘Roll, wie ihn Bill Haley spielte.