Ich war drei Wochen krank und hatte meinen Arm in Gips. Mein Chef berechnete von meinen geleisteten Arbeitstagen und meinen Krankentagen den Durchschnitt und bezahlte daraufhin die komplette Zeit mit 7,29 Stunden pro Tag und nicht mit 8 Stunden täglich, wie es sonst der Fall war. Darf er das?

fragt ein ZEIT-ONLINE-Leser 

Lieber unbekannter Leser,

Das darf Ihr Chef auf keinen Fall! Das Arbeitsrecht regelt die Arbeitspflicht und den Verstoß dagegen sehr genau: Sie haben als Arbeitnehmer eine Arbeitspflicht, die Ihnen der Arbeitgeber abverlangt und auf die er Anspruch hat. Denn Sie tauschen Ihre Arbeitskraft gegen eine angemessene Vergütung. Nur in Ausnahmen wird dieser wechselseitige Tausch außer Kraft gesetzt; zum Beispiel durch eine Krankheit.

Sie müssen – falls nicht anders vereinbart – Ihre Arbeitsleistung selbst erbringen. Sie dürfen also keinen Vertreter schicken. Dafür sind Sie nur gegenüber Ihrem Arbeitgeber zur Arbeit verpflichtet. Für andere Arbeitgeber müssen Sie lediglich nach ausdrücklicher Regelung in Ihrem Vertrag tätig werden, etwa bei Montagearbeiten.

Sie verstoßen nur gegen Ihre Arbeitspflicht, wenn Sie diese entweder inhaltlich oder zeitlich nicht erfüllen. Jeder Verstoß bedeutet einen Vertragsbruch. Fehlen Sie beispielsweise unentschuldigt oder kündigen Sie nicht unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist, muss Ihnen Ihr Arbeitgeber keine Vergütung zahlen. Da Sie vertragsbrüchig sind, kann er Ihnen darüber hinaus kündigen, Sie auf Schadenersatz verklagen oder erwirken, dass Sie Ihre Leistung abliefern müssen. In den meisten Fällen ist eine vorherige Abmahnung üblich.

Eine Krankheit und dementsprechend das entschuldigte Fehlen ist jedoch keinesfalls ein ausreichender Grund, mit dem man Ihnen den Lohn kürzen könnte. Sie sollten schriftlich bei Ihrem Chef den vollen Lohn nach dem sogenannten Lohnausfallprinzip einfordern. Stellt er sich quer, sollten Sie ihm schriftlich rechtliche Schritte androhen.

Denn der Arbeitgeber muss seinem Mitarbeiter im Krankheitsfall das volle Entgelt fortzahlen, das dieser erhalten hätte, hätte er gearbeitet. Es gilt das sogenannte Lohnausfallprinzip. Bemessungsgrundlage des fortzuzahlenden Entgelts ist nach Paragraf 4 des Entgeltfortzahlungsgesetzes zum einen der vereinbarte Lohn und zum anderen die Arbeitszeit.

Beginnt oder endet der Entgeltfortzahlungsanspruch an einem Tag während des laufenden Monats, ist der anteilige Entgeltanspruch für diesen Monat wie folgt zu berechnen: