ZEIT ONLINE: Carsten Jenning, Sie fordern die Anhebung der Altersgrenze für BAföG-Empfänger von 30 auf 31 Jahre – wenn Betroffene einen Wehr- oder Zivildienst absolvieren mussten. Haben Sie ein Herz für Langzeitstudenten?

Carsten Jenning: Nein, überhaupt nicht. Es geht mir um die Menschen, die erst spät mit einem Studium anfangen können, und darum, wie dieses finanzierbar bleibt.

ZEIT ONLINE: Sie haben selbst erst spät angefangen zu studieren.

Jenning: Ich wollte unbedingt einen medizinischen Beruf ergreifen, und dazu am liebsten studieren. Zuerst wollte ich aber sehen, ob das etwas für mich ist. Deshalb habe ich eine dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht. Danach arbeitete ich weitere drei Jahre in dem Job. Nur mit diesen beiden Voraussetzungen – Ausbildung und drei Jahre Arbeit –  hat man als Student Anspruch auf eine Förderung durch das BAföG, und zwar unabhängig von den Eltern. Und ohne das hätte ich mir ein Studium nicht leisten können.

ZEIT ONLINE: Wie alt werden Sie sein, wenn Sie Ihr Studium abschließen?

Jenning: Ich bin jetzt 27 und habe im September angefangen, Gesundheitswissenschaften zu studieren. Ich werde voraussichtlich 30 Jahre alt sein, wenn ich meinen Bachelor mache. Danach würde ich gerne ein Masterstudium anschließen, sonst sehe ich wenig Chancen, einen guten Job zu bekommen. Die maximale Fördergrenze beim BAföG liegt derzeit bei 30 Jahren. Das bedeutet für mich: Nach dem Bachelor ist Schluss. Es sei denn, jemand schenkt mir ganz viel Geld.

ZEIT ONLINE: Ihre Petition stützt sich vor allem auf den Gleichbehandlungsgrundsatz, der Männer und Frauen gleichstellt. Warum sehen Sie diesen verletzt?

Jenning: Einige meiner Mitstudenten haben die gleiche Laufbahn wie ich hinter sich, die meisten sind aber weiblich, wieder andere mussten keinen Wehr- oder Zivildienst leisten. Dadurch haben sie einen Vorteil, denn sie sind meist fertig, bevor sie 30 werden. Den anderen fehlt ein Jahr, ohne dass sie etwas dafür können.