Für den SPD-Obmann im BND-Untersuchungsausschuss, Michael Hartmann, ist die Sache klar. Obwohl das Gremium sich schon 60 Stunden lang mit der Frage befasst habe, inwiefern deutsche Agenten den Krieg der USA im Irak unterstützt hätten, habe die Opposition "noch kein Tor geschossen". Nun versuche sie mit der Vorladung eines amerikanischen Zeugen offenbar, "in die Nachspielzeit zu gehen".

Der Mann, auf den Hartmann anspielt, ist der amerikanische General a.D. James Marks. Dieser hatte dem Spiegel gesagt, die Informationen der beiden während des Irak-Kriegs in Bagdad stationierten Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes seien von "unschätzbarem Wert" gewesen. Ihn will die Opposition nun vor den Untersuchungsausschuss laden.

Allerdings gibt es an dessen Aussage nach Ansicht der SPD mittlerweile erhebliche Zweifel. So beruft sich der General beispielsweise auf ein Foto einer "Roland"-Luftabwehr-Stellung, welches die Amerikaner vom BND erhalten hätten. Dieses Foto vom 16. Februar 2003 könne der General aber gar nicht gesehen haben, weil der deutsche Verbindungsmann beim US-Hauptquartier in Kartar mit dem Decknamen Gardist zu diesem Zeitpunkt dort noch nicht stationiert gewesen sei. Nicht ausschließen kann Hartmann allerdings, dass das Foto auf anderem Weg in die Hände der Amerikaner gelangt sein könnte.

Abgesehen davon sei das Flugabwehrsystem, anders als in dem Spiegel -Artikel behauptet, nicht in der Nähe des Bagdader Flughafens, sondern am Rande eines längst geschlossenen kleinen Flugplatzes aufgenommen worden. Schon deshalb könne es entgegen den Äußerungen des Generals nicht dazu beigetragen haben, dass die Amerikaner ihre Entscheidung revidierten, den Bagdader Flughafen aus der Luft einzunehmen.

Weiter hatte das Magazin berichtet, eine Meldung der BND-Agenten vom 5. März 2003, wonach die Iraker die Sprengung einer Ölpumpstation bei Kirkuk vorbereiteten, habe die Entscheidung der Amerikaner beeinflusst, den Bodenkrieg früher als geplant zu beginnen. Diese Meldung habe das US-Militär allerdings nur in stark abgeschwächter Form erreicht, argumentiert die SPD. Zudem liege Kirkuk im Norden, die Amerikaner seien aber im Süden einmarschiert.

Hartmann scheint hinter den Vorwürfen deswegen eher eine Desinformationskampagne zu vermuten. So sei es nicht überraschend, dass nun wie schon in früheren Fällen abermals Amerikaner der Regierung von George W. Bush ins Spiel gebracht würden, um die Anti-Kriegslinie der früheren rot-grünen Regierung zu diskreditieren. Dafür spreche auch, dass General Marks nach seiner Pensionierung noch Pressearbeit für das Pentagon gemacht habe. Diese Einschätzung ist allerdings fraglich. Nach Angaben von Spiegel Online handelt es sich bei Marks um einen Bush-Kritiker.