Die CSU lässt bei ihrer Forderung nach einer schnellen Steuersenkung zur Ankurbelung der Konjunktur nicht locker. Landesgruppenchef Peter Ramsauer machte davon eine Zustimmung zu einem weiteren Konjunkturpaket abhängig, das die Kanzlerin am Vortag für das kommende Jahr angekündigt hatte.

"Ein weiteres Maßnahmenpaket zur Stabilisierung der Wirtschaft muss erhebliche Steuerentlastungen enthalten", sagte Ramsauer. Dies sei für die CSU unverzichtbar. "Einem weiteren Impulspaket ohne Steuerentlastungen werden wir nicht zustimmen". Seine Äußerungen entsprechen damit der Linie, die der neue CSU-Chef Seehofer vorgegeben hatte: Steuern runter, dann läuft die Wirtschaft wieder. Alles andere halten die CSU-Strategen für zweitrangig.

Dagegen sprach sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch nun klar gegen Steuersenkungen zum jetzigen Zeitpunkt aus. Koch vertritt damit die Haltung der meisten CDU-Politiker, inklusive Kanzlerin Merkel. "Ich glaube nicht, dass jetzt die Zeit ist für Steuersenkungen, also in Wahrheit für große Steuerreformen", der CDU-Politiker, der momentan wieder Wahlkampf führt. In den nächsten zwei Jahren sei erst einmal kurzfristig sehr viel Geld nötig, um in der Krise gegenzusteuern. Selbst die schnellste Steuersenkung könne frühestens in 18 Monaten wirken. "Wir brauchen jetzt aber Maßnahmen, die in den nächsten drei, vier, sechs Monaten wirken".

Die Fronten zwischen den Schwesterparteien sind verhärtet, so schnell wird keine von beiden ihren Ansatz zur Krisenpolitik begraben. In der CDU wird seit Wochen über die kräftigen Forderungen und Veto-Androhungen Seehofers die Stirn gerunzelt. Manche deuten die neuerliche Drohung Ramsauers als Ablenkungsversuch von eigenen Problemen - auf dem Rücken des Unionsfriedens.

Denn inzwischen regt sich auch in der CSU an verschiedenen Stellen der Unmut über Seehofer. Vor allem die Hau-Ruck-Inthronisierung von Strauß-Tochter Monika Hohlmeier als Europa-Kandidatin für Oberfranken bringt viele Kritiker gegen Seehofer auf. "Die Volksseele ist entsetzt", sagt ein oberfränkischer Abgeordneter. Überfallartig hatten Seehofer und sein Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg dort die umstrittene Oberbayerin Hohlmeier als Europa-Kandidatin installiert.