Jetzt, so berichten oberfränkische Abgeordnete, glühen bei der CSU vor Ort die Telefondrähte. Reihenweise gehen wütende Protest-Mails ein. Doch sind die Oberfranken gespalten. "Das war ein Befehl, und Befehle sind nicht gut", mosert ein bekannter CSU-Politiker. "Das passt nicht zum neuen Stil." Seehofer hatte eine neue Dialogkultur versprochen – und weniger Gutsherrenpolitik, wie man sie noch von Stoiber gewohnt war.

Doch mit der Kandidatur Hohlmeiers allein ist es noch nicht genug. Unklar ist, ob Seehofer Hohlmeier nicht sogar als "Zugpferd" auf Platz eins der Liste setzen will. Der Parteichef sagt dazu nichts - hatte aber zuvor schon den bisherigen Europagruppenchef Markus Ferber offen brüskiert, der seinen Führungsanspruch bekräftigte. Manchen sei der eigene Listenplatz wohl wichtiger als der Erfolg, ätzte Seehofer.

Und auch der Berliner Landesgruppenchef Peter Ramsauer leidet. Im Parteivorstand vergangene Woche musste er sich von Seehofer Kritik anhören. Und am Wochenende kursierten Medienberichte, der CSU-Chef wolle Ramsauer nicht als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl schicken. Ramsauer zeigte sich irritiert. In der Münchner Landtagsfraktion macht aber die Vermutung die Runde, Generalsekretär Guttenberg solle - auch als Dank für die erfolgreiche Hohlmeier-Kür - auf Platz eins der Bundestags-Liste gesetzt werden. Damit könnte er nach der Bundestagswahl Michael Glos als Bundeswirtschaftsminister beerben.

Seehofers Ziel, das räumen auch die kritischen Stimmen ein, ist klar: Nach dem historischen Absturz bei der Landtagswahl muss er die CSU bei der Europa- und bei der Bundestagswahl unter allen Umständen zum Erfolg führen. Dazu müsse Seehofer, so sagt ein Landtagsabgeordneter, möglichst schnell erfolgversprechendes Personal präsentieren. Möglichst rasch deshalb, weil er derzeit noch mehr Freiheiten habe als in einigen Wochen.

Das erste Ziel 2009 steht fest: Mindestens fünf Prozent der Stimmen muss die CSU bei der Europawahl im Juni bundesweit holen, um nicht aus dem Europäischen Parlament zu fliegen. Sollte dies nicht gelingen, wäre dies für die einst erfolgsverwöhnte Partei die nächste Katastrophe. Mindestens bis dahin kann sich die Schwesterpartei CDU noch auf einige Frontalangriffe gefasst machen.