In seiner Rede zum Wahlsieg stellte Barack Obama die drei Hauptthemen heraus, denen er sich als Präsident gegenüber sehen wird - die globale Finanzkrise, zwei fortdauernde Kriege und der Klimawandel. Die größte Herausforderung für ihn und die gesamte progressive Linke liegt jedoch darin, in einer zunehmend globalisierten Welt dem Staat zu mehr Effektivität zu verhelfen.

Auf nationaler Ebene wird die Regierungsmacht seit geraumer Zeit auf der Grundlage von Regeln und Prinzipien ausgeübt, die für alle Akteure gleichermaßen bindend sind und durch die Trennung bzw. Aufteilung der Staatsgewalt in Bereiche eine ungehemmte Machtausübung verhindern. Eine solche konstitutionelle Staatsform liefert den Rahmen, innerhalb dessen die Regierung sowohl verantwortlich als auch repräsentativ agieren kann, indem sie Konflikte schlichtet, Rechte schützt, die Mitbestimmung fördert und die Sicherheit der Bürger gewährleistet.

Die große Herausforderung besteht heute in der Frage, auf welche Weise diese Prinzipien in einer globalen politischen Ordnung zu verankern sind, um auch in diesem Rahmen einen für stabile Demokratien typischen, öffentlichen Raum zu schaffen, in dem sich politische Strategien diskutieren, Interessen ausgleichen und Entscheidungen bewerten lassen. Diese Aufgabe fällt allerdings in eine Zeit, in der die einzelstaatlichen Demokratien enormen Belastungen ausgesetzt sind und bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gehen müssen, um sich als repräsentative, verantwortliche Staatsformen zu beweisen, in denen die Mitbestimmung aller gewährleistet ist.

Zudem besteht zwischen der nationalen und der globalen Ebene ein entscheidender Unterschied: Nationale Verfassungen weisen üblicherweise die Tendenz auf, die politische Macht zu regeln und zu begrenzen, und die konstitutionelle Staatsform steht per definitionem für die Einschränkung der Regierungsmacht. Auf transnationaler Ebene jedoch geht es weniger um die Beschränkung der Regierungsmacht als um den Aufbau von Regierungskapazitäten und die Schaffung von Regulierungsmechanismen für jene Kräfte, die derzeit noch in der Lage sind, ohne jegliche Überwachung oder Rechenschaftspflichten Macht auszuüben.

Die unumgängliche Frage hierbei ist nicht nur, ob die bestehenden Institutionen und Mechanismen zur Begrenzung nationaler Regierungsmacht noch adäquat sind bzw. ob sie verbessert werden können, sondern auch, ob nationale Regierungen die notwendigen Kapazitäten besitzen, um die Erwartungen ihrer Bürger zu erfüllen und die gewünschten Dienstleistungen und öffentlichen Güter zu liefern, ob die Bürger selbst über Möglichkeiten und Gelegenheiten zur Mitbestimmung an politischen Entscheidungen verfügen, und wie diese Mechanismen geregelt sind. Die Beantwortung der beiden letzten Fragen weist in die Richtung neuer, transnationaler Regierungsformen.

Erreicht werden kann dies jedoch nicht, indem man einfach den Nationalstaat auf die globale Ebene transponiert. Die progressive Linke hat sich in der Vergangenheit hauptsächlich mit den Problemen auseinandergesetzt, die aus der Arbeitsteilung, der Abkehr von der Selbstversorgung und dem Aufkommen ausgedehnter, unpersönlicher Geflechte gegenseitiger Abhängigkeiten entstanden sind, die ihrerseits ein enormes Wachstum von Wohlstand und Bevölkerung ermöglichten und gleichzeitig einen steten Wandel in der Struktur von Arbeitswelt, Dienstleistungen und Lebensweisen sowie den Einsatz moderner Wissenschaft zur stetigen Schaffung technischer Innovationen hervorbrachten.

Gedanken machen muss sich die progressive Linke heute jedoch auch über die Wissensteilung. Mit der wachsenden Durchsetzung der Arbeitsteilung wurden auch Wissen und Informationen zunehmend zersplittert, zerstreut und eingegrenzt. Dies wirkt sich sehr stark darauf aus, wie Gesellschaften und Politik heute organisiert und geleitet werden. Bestimmte Formen von Wissen, und hier vor allem die moderne Wissenschaft, durchdringen und formen mittlerweile zwar mehr und mehr Lebensbereiche des Menschen; dennoch konnten sie weder über das gesellschaftliche Zusammenleben noch über die natürliche Umgebung eine rationale Kontrolle ausüben. Stattdessen ist die Zufälligkeit und Eingeschränktheit menschlichen Wissens immer deutlicher geworden.