Die weltgrößten Gasexporteure haben ein Bündnis nach dem Vorbild der Opec gegründet und damit ihr bislang wenig einflussreiches Forum zu einem Gas-Bündnis deutlich aufgewertet. "Heute wurde eine neue Organisation geboren und ein neues Statut verabschiedet", verkündete Russlands Energieminister Sergej Schmatko am Dienstag in Moskau nach einem Treffen der Energieminister aus zwölf gasexportierenden Ländern. Die Organisation will ihre Interessen auf den Gasmärkten bündeln. Russland hat als größtes Exportland aber betont, dass es keine Preisabsprachen oder andere bindende Kartell-Maßnahmen wie bei der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) plane.

Bei der Wahl des Hauptsitzes musste sich Russland mit St. Petersburg der Hauptstadt Katars, Doha, geschlagen geben. Ein Generalsekretär der bislang als Forum Gas exportierender Länder (GECF) auftretenden Organisation solle im kommenden Jahr gewählt werden, sagte Schmatko. Zu den 14 Mitgliedsländern gehören neben Russland und Katar auch Iran und Algerien. Gemeinsam fördern die 14 nach eigenen Angaben 42 Prozent der weltweiten Gasproduktion und verfügen über 73 Prozent der Gasreserven auf der Erde.

Kollektive Preisabsprachen wie beim Öl-Kartell seien aber in dem vom Pipeline-Transport dominierten Gasgeschäft weder technisch möglich noch beabsichtigt, teilte der russische Gasmonopolist Gazprom in Moskau mit. Auch der russische Regierungschef Wladimir Putin sprach sich bei seiner Rede gegen eine Politisierung der internationalen Energiebeziehungen aus. "Die Interessen von Produzenten, Verbrauchern und Transitländern lassen sich nur durch klare und langfristige Beziehungen auf marktwirtschaftlicher Grundlage vereinen." Zugleich kündigte der frühere Kremlchef ungeachtet der jüngsten Entwicklung auf den Energiemärkten langfristig hohe Gaspreise an. "Die Kosten für die Erkundung neuer Lagerstätten, die Förderung und den Transport von Erdgas werden unausweichlich steigen", betonte Putin.

Die in den vergangenen Monaten drastisch gefallenen Energiepreise lassen die Gas-Exportnationen enger zusammenrücken. Seit Jahren streiten die Länder über eine gemeinsame Linie. Auch in Moskau bei dem Treffen der Energieminister aus zwölf gasexportierenden Ländern lagen die Vorstellungen der einzelnen Nationen noch weit auseinander.

Energiekonzerne wie die deutsche E.on, die große Gasabnehmer sind, hatten sich gelassen zu den Plänen geäußert. Sie fürchten keine negativen Auswirkungen und verweisen auf bestehende Verträge.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die Zielsetzung des Gas-Forums klar. "Man will den Gasmarkt kontrollieren, genau wie beim Öl auch", sagte die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert. Dahinter stehe die Absicht, die Preise zu beeinflussen. Dies ist aber in großem Umfang nach Einschätzung russischer Experten erst möglich, wenn mehr Flüssiggas über Tanker weltweit verschifft und damit kurzfristig handelbar wird. Bislang wird Gas zum allergrößten Teil noch mit langfristigen Verträgen über Pipelines geliefert.