Die Vorstellung, das Gesicht eines anderen zu tragen, erscheint gespenstisch. Was im Kino schon zu Film-Noir-Zeiten als Motiv herhalten musste, ist den meisten Menschen in der Wirklichkeit unheimlich – ebenso wie die Vorstellung, das eigene Gesicht könnte nach dem Tod einem anderen gehören.

In der Realität ist ein solcher Eingriff die große Hoffnung für alle Menschen, die nach einem Unfall oder einer Krankheit schwer entstellt sind. Sie leiden nicht nur körperlich, sondern auch seelisch unter ihren Verletzungen.

Denn das Gesicht eines Menschen trägt maßgeblich zu seiner äußerlichen Identität bei. Mimik und Ausdruck sind wichtig, um mit anderen zu kommunizieren. Wer "sein Gesicht verliert" steht in unserer Gesellschaft buchstäblich ziemlich würdelos da.

Deshalb erregt eine Operation, wie sie jetzt in den USA gelungen scheint, so große Aufmerksamkeit. Mikrochirurgen von der Cleveland-Klinik im US-Bundesstaat Ohio berichten, sie hätten ein fast komplettes Gesicht erfolgreich transplantiert. Das Team um Maria Siemionow ersetzte 80 Prozent des entstellten Gesichts einer Amerikanerin mit dem Gewebe einer verstorbenen Frau, berichtet die Klinik.

Genauere Informationen über die Patientin wurden nicht bekannt gegeben – wie es zu ihren Gesichtsverletzungen kam und wer die Tote ist, deren Gesicht ihr verpflanzt wurde, erfährt die Öffentlichkeit nicht.

Nur so viel: Der Eingriff wurde schon vor einigen Wochen vorgenommen, 22 Stunden brauchte das achtköpfige Ärzteteam, bis alle Knochenstrukturen, Muskeln, Blutgefäße, Nerven und das Hautgewebe übertragen waren. Ausgenommen blieben allein die Stirn, Augendeckel, die Unterlippe und das Kinn.