Wie ein Sprecher der palästinensischen Gesundheitsbehörde weiter mitteilte, wurden rund 750 Palästinenser zum Teil schwer verletzt. Das sei die höchste Opferzahl an einem Tag seit dem Sechstagekrieg von 1967. Unter den Toten sind auch der Hamas-Polizeichef, Taufik Dschaber, sowie der Hamas-Sicherheitschef Ismail al-Dschabari.

Unmittelbar nach den Luftangriffen kündigte Hamas-Sprecher Fausi Barhum an, dass Israel für das "Blutbad" einen hohen Preis zahlen werde. Er forderte den militanten Flügel der Hamas auf, Raketen mit der größten Reichweite auf Israel abzufeuern. Nach israelischen Polizeiangaben schlugen mehr als 50 selbst gebaute Geschosse auf israelischem Boden ein. Eine Rakete traf ein Haus in der Stadt Netivot. Als Folge der Explosion kam ein Mann ums Leben. Fünf weitere Israelis wurden bei den Angriffen teilweise schwer verletzt.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak kündigte an, dass der Militäreinsatz - falls notwendig - ausgeweitet werde. "Es ist an der Zeit gewesen zu handeln. Wir lassen unseren Menschen durch Terror keinen Schaden zufügen", sagte Barak. Armeesprecher Benjamin Rutland sagte, Ziel der Luftangriffe sei es gewesen, den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu minimieren. Seit Sommer 2005 - dem Rückzug Israels aus dem Gazastreifen - seien über 7000 Raketen und Mörsergranaten in Israel eingeschlagen. "Kein Land in der Welt würde oder sollte Angriffe dieser Art tolerieren", sagte Rutland.

In einer ersten Reaktion forderte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die israelische Regierung auf, "diese Aggression sofort zu beenden". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich "sehr besorgt" über die erneute Eskalation im Nahen Osten. "Der Gaza-Streifen droht erneut in einer Spirale der Gewalt zu versinken", sagte Steinmeier der "Bild am Sonntag".

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy warf Israel unverhältnismäßigen Gewalteinsatz vor. Der Vatikan verurteilte die Luftangriffe; ein Sprecher äußerte die Befürchtung, dass die Angriffe noch mehr Hass produzieren würden. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner forderte beide Konfliktparteien auf, die Eskalation der Gewalt zu stoppen.

Rund 60 Kampfflugzeuge hatten nach israelischen Medienberichten am Samstagvormittag überraschend den Gazastreifen angegriffen. In einer ersten Angriffswelle seien rund 50 Einrichtungen der Hamas zerstört worden, darunter Polizeistationen, Gebäude der Sicherheitskräfte, Ausbildungsgelände sowie Waffendepots. Danach hätten Kampfflugzeuge 25 Abschussrampen für Raketen beschossen.