2009 werde die Wirtschaft um 2,7 Prozent schrumpfen, sagten die IfW-Forscher am Montag voraus. Das Minus wäre damit dreimal so groß wie im bisher schlechtesten Wirtschaftsjahr in der Geschichte der Bundesrepublik: 1975 ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 Prozent zurück.

Allerdings sei die Unsicherheit wegen der Finanzkrise derzeit deutlich gestiegen. Die Experten halten für 2009 ein Schrumpfen zwischen 0,8 und 4,6 Prozent für möglich. Noch im September hatten sie ein Wachstum von 0,2 Prozent erwartet. Erst 2010 erwarten sie wieder eine Erholung und ein Wachstum von 0,3 Prozent. Dies setze aber voraus, dass die Finanzmarktkrise nachlasse.

Die Wirtschaft steckt nach Einschätzung der Forscher bereits jetzt tief in der Krise. "Für das Winterhalbjahr 2008/2009 ist ein Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Produktion wahrscheinlich", schrieben die Experten. Im Herbst dürfte die Wirtschaft um 4,5 Prozent gesunken sein, für den Jahresauftakt 2009 erwarten die Experten sogar ein Minus von 5,0 Prozent. Auch im weiteren Jahresverlauf werde die Produktion in der Tendenz sinken, auch wenn es zeitweise leichte Anstiege geben werde, wenn die großen Unternehmen ihre Fabriken wieder in Betrieb nähmen.

Besonders die Exporte dürften im kommenden Jahr deutlich stärker einbrechen als die Einfuhren. Hier mache sich die Abschwächung der Weltkonjunktur zunehmend bemerkbar, schrieben die Forscher. Gerade die Nachfrage nach Investitionsgütern falle als treibende Kraft aus, die in den vergangenen Jahren den deutschen Export belebt habe. Die Binnennachfrage werde dagegen die Konjunktur stützen. Dabei setzen die Kieler Experten auf einen Anstieg des privaten Konsums um 0,5 Prozent. Neben den steuerlichen Entlastungen führen die Experten zur Begründung höhere Transferleistungen an, wie Arbeitslosengeld und Renten.

Der Arbeitsmarkt dürfte etwas glimpflicher durch die Rezession kommen als in der Vergangenheit, vor allem wegen der Arbeitsmarktreformen und rückläufiger Lohnkosten. Zudem habe die Bundesregierung durch die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes Anreize geschaffen, Arbeitsplätze zu erhalten. 2009 wird mit 3,7 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz gerechnet, 2010 mit 3,9 Millionen. Die Arbeitslosenquote werde bis dann um fast zwei Prozentpunkte auf 9,5 Prozent steigen – in der Rezession Mitte der siebziger Jahre lag der Anstieg bei 3,7 Prozentpunkten.