Knapp Tausend Kinder stürmten am 17. Dezember den Élysée-Palast. Sie wollten das Königspaar, nein: den Präsidenten und seine Gattin sehen. Mitsamt ihren Gärtnerinnen tobten sie durch den Ehrenhof des Élysées, vorbei an der neun Meter hohen Ökotanne, um am traditionellen Kinderempfang teilzunehmen.

Unter ihnen waren auch Abgesandte aus den armen Vorstädten, deutlich zu erkennen an ihren Hautfarben und vor allem daran, dass sie sich besonders hübsch gemacht hatten, und die Erzieherinnen erst recht.

Tags darauf waren ihre älteren Geschwister unterwegs. "Ich liebe meine Lehrer," stand auf einem Transparent, "entlasst sie nicht!" diesmal demonstrierten Frankreichs Schüler, nachdem sie tagelang Schulen bestreikt oder besetzt hatten; es gingen rund 150.000 auf die Straße.

Die Jugendlichen waren unterwegs, um - erstens - gegen eine (unwesentliche) Reform zu protestieren, die vom Bildungsminister kurz zuvor um ein Jahr verschoben worden war: auf Geheiß seines Präsidenten, der sehr gut weiß, dass sich in Frankreich noch kein Politiker lange gegen Massenproteste der Schüler und Studenten gehalten hat.

Zweitens hatten sie sich unter Fahnen und Transparenten eingefunden, um diesen Erfolg ihrer Proteste zu feiern. Drittens ging es gegen die schmerzhaften Personaleinsparungen an den Schulen. Viertens aber und vor allem demonstrierten sie, weil die Aussichten für Schulabgänger schlecht sind und schlechter werden.

In Frankreichs Hauptstadt hatten sich insbesondere Teenager aus bestreikten Schulen der Banlieues eingefunden. Gutgelaunt und stolz paradierten sie in ihren Dresscodes, Rap-Klamotten, Fan-Schals des Fußballvereins Paris Saint Germain, durch eine Innenstadt, die normalerweise nicht ihr Terrain ist - was sich auf dem Nachhauseweg zeigte, als etliche von ihnen gruppenweise vor Metro-Fahrplänen standen und sich nicht orientierter zeigten als der normale Paristourist.