Die jüngste Wirtschaftskrise hat die von der vorherigen Generation betriebene dogmatische Politik des freien Marktes geradezu hinweggefegt und selbst in den USA zu mehr staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft geführt, als dies noch vor wenigen Monaten vorstellbar gewesen wäre. Diese Interventionen waren bisher hauptsächlich auf die Rettung der westlichen Finanzsysteme gerichtet. Gleichzeitig jedoch eröffnen sie die Möglichkeit eines radikalen Umdenkens, was die Rolle des Staates an sich betrifft.

Dessen erste Aufgabe wird selbstverständlich in der Bewältigung der wirtschaftlichen Rezession bestehen, um neben den Banken auch wichtige Industriesektoren vor dem Untergang zu bewahren. Im Lauf der nächsten Generation wird sich dies dann auch an die finanzielle Rettung einzelner Städte knüpfen. Mit am traurigsten ist in den USA derzeit der Anblick ehemals großartiger Wirtschaftszentren, auf die sich die Veränderungen innerhalb der amerikanischen und auch der globalen Wirtschaft verheerend ausgewirkt haben. Amerikanische Städte wie Buffalo oder Detroit haben sich praktisch in Geisterstädte verwandelt; alles jemals dort erwirtschaftete Geld wurde längst in einem endlosen Konsumtaumel verpulvert, und nichts Schönes, Nützliches oder Dauerhaftes ist von diesem Kaufrausch zurückgeblieben. Es muss unbedingt verhindert werden, dass auch die historischen Städte Europas und Asiens diesem katastrophalen Muster folgen.

Zweitens wird der Staat stärkere Abwehrmaßnahmen gegen Terrorismus und illegale Einwanderung einführen müssen. Es geht nicht unbedingt darum, dass dies an sich tödliche Gefahren wären, sondern vielmehr darum, dass unter bestimmten Umständen die Kombination dieser beiden Tendenzen Reaktionen innerhalb der Bevölkerung hervorrufen könnte, die die westlichen Demokratien von innen heraus zerstören würden. Die USA unter George Bush haben eine erschreckende Vorschau auf ein solches Szenarium geboten.

Wenn wir uns auf eine lange Zeit der Rezession und wirtschaftlichen Stagnation einrichten müssen, dann können die heutigen illegalen Einwanderungsströme ganz einfach nicht mehr toleriert werden. Große Teile der Marinestreitkräfte Westeuropas - die, offen gesagt, nicht besonders viel zu tun haben - sollten abkommandiert werden, um entlang der europäischen Mittelmeer- und Atlantikküsten zu patrouillieren. Das Projekt der Regierungen unter Bush und Blair, mit Gewalt Demokratie und Stabilität in die muslimischen Länder zu bringen, ist offensichtlich gescheitert und sollte aufgegeben werden. Wir sollten uns stattdessen darauf konzentrieren, unsere eigene Abwehr zu stärken.

Auf längere Sicht werden mehr staatliche Eingriffe in den miteinander vernetzten Bereichen von Gesundheitsversorgung und Gentechnologie notwendig werden. Barack Obamas Versprechen, er werde das Gesundheitssystem der USA grundlegend reformieren und ausweiten, ist eindeutig der richtige Ansatz; zusätzlich kommt es nun darauf an, dass die europäischen Gesundheitssysteme gegen die Auswirkungen der wirtschaftlichen Rezession geschützt werden. Für den Erhalt einer elementaren Solidarität der westlichen Gesellschaften untereinander ist dies absolut unabdingbar. Soviel ist unbestreitbar; allerdings können unsere Gesundheitssysteme nicht unbegrenzt die wachsenden Kosten übernehmen, die aus der Verlängerung des Lebens sehr alter und kranker Menschen um ein paar Monate oder Jahre entstehen. Hier stehen einige schwierige Entscheidungen zum Thema Generationengerechtigkeit und Solidarität an, und diese Entscheidungen kann allein der Staat treffen.

Verbunden damit ist das Thema der zukünftigen Rolle des Staates bei der Regulierung der Gentechnologie und der Nutzung einiger ihrer Vorzüge für die gesamte Bevölkerung. Lässt man auf diesem Gebiet dem Markt freie Hand, riskiert man nicht nur monströse Auswüchse, sondern auch das Aufkommen klassenbedingter Unterschiede bei Gesundheit und Lebensdauer, die nicht nur die Demokratie, sondern das gesamte Konzept einer "Gesellschaft für alle" ad absurdum führen.