Die Linke jubelt. Von einem "Kurswechsel hin zur Realität" spricht der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Bodo Ramelow. Rot-rote Bündnisse sind einen Schritt näher gerückt. In einem Zeitungsinterview hatte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering am Wochenende gesagt, er werde sich Koalitionen von SPD und Linke in den Bundesländern nicht länger in den Weg stellen. Das ist zwar einerseits nicht neu, anderseits hat sich der SPD-Chef noch nie so deutlich geäußert und davon gesprochen, mit rot-roten Bündnissen "machtpolitisch ein Zeichen" setzen zu können. Die Linke, so scheint es, kann ein Stück aus der Schmuddelecke heraustreten.

Tatsächlich aber scheint der unaufhaltsame Aufstieg der Linkspartei gestoppt. Es häufen sich Pleiten und Rückschläge, dazu kommen die innerparteilichen Konflikte.

Zunächst die Finanz- und Wirtschaftskrise: Von ihr kann die Linke nicht profitieren. Vor einem halben Jahr noch trieb sie die politische Konkurrenz vor sich her. Die heimlichen Oppositionsführer Lafontaine und Gysi bestimmten bei Themen wie Mindestlohn und Hartz IV die politische Agenda. Doch jetzt, wo die Krise da ist, ist von der Linken nicht mehr viel zu hören. Längst rufen auch Union und SPD nach mehr Staat und nach Konjunkturprogrammen. Auch die Pendlerpauschale ist wieder da, die Zeit des Neoliberalismus hingegen vorbei. 

Das spiegelt sich auch in den Umfragen. Im Sommer stand die Linke zeitweise bei rekordverdächtigen 15 Prozent, inzwischen zeigt der Trend eindeutig nach unten. Nun rächt sich für die Linke, dass viele Wähler in den vergangenen Monaten zwar sagten, es sei gut, dass es die Partei gibt, auch wenn sie ihr in der praktischen Politik sehr wenig zutrauten. Angesichts immer neuer Hiobsbotschaften ziehen viele Wählern die Kompetenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) dem Populismus Oskar Lafontaines vor. In einer aktuellen Umfrage von Ifratest-dimap bescheinigten vier von zehn Anhängern der Linken der Kanzlerin, sie leiste "gute Arbeit".

Das könnte für die Linke in Hessen zum Problem werden. Entgegen allem Zweckoptimismus, sind sich die Parteistrategen noch nicht sicher, ob es gelingt, bei der vorgezogenen Neuwahl am 18. Januar noch einmal in den Landtag einzuziehen. Vor elf Monaten feierte die Linke ihren Wahlerfolg in Hessen als Durchbruch im Westen. Mittlerweile jedoch hat sich der Landesverband als Chaostruppe entpuppt. Peinlich ist auch, dass ausgerechnet eine linke Landtagsabgeordnete einräumen musste, vier Mitarbeiter per Minijob beschäftigt zu haben. Mindestens einer von ihnen war gezwungen, zusätzlich ergänzendes Arbeitslosengeld II zu beantragen, obwohl die Partei diese Form der Ausbeutung politisch vehement bekämpft. Jetzt hat die Linke in Hessen ein Glaubwürdigkeitsproblem. Gleichzeitig macht die SPD mit einem explizit linken Wahlkampf Druck.

Auch bei der Vorbereitung der Bundespräsidentenwahl am 23. Mai 2009 hat sich Lafontaine verrannt. Die Kür des Schauspielers Peter Sodann zum Kandidaten der Linken entpuppte sich als Flop. Selbst führende Politiker der Partei wenden sich mittlerweile mit Grausen ab, wenn Sodann seine kruden Thesen über die nicht vorhandene Demokratie in Deutschland verbreitet oder Deutsche-Bank-Chef Ackermann verhaften will. Eigentlich wollte die Linke bei der Bundespräsidentenwahl die SPD und deren Kandidatin Gesine Schwan unter Druck setzen, Bedingungen für deren Unterstützung zu formulieren. Doch mit der Nominierung von Sodann hat sie sich stattdessen ins strategische Abseits manövriert.