Eines ist sicher: Die gegenwärtige Krise kann ohne eine massive Ausweitung der Rolle und Eingriffssphäre der öffentlichen Hand nicht bewältigt werden, da ihr Ursprung hauptsächlich in der laxen und inkompetenten staatlichen Regulierung privater Wirtschaftsmacht zu sehen ist.

Dies wiederum geht auf eine hochgradig gefährliche Wirtschaftsphilosophie zurück, bei der davon ausgegangen wird, dass ein Versagen der Regierung häufiger auftritt und mehr Schaden anrichtet als ein Versagen des Marktes. Dass die Marktkräfte stets intelligenter und rationaler wirken als Regierungen, und dass durch die unsichtbare Hand des Marktes in jedem Falle das bestmögliche Ergebnis für die Gesellschaft insgesamt erzielt werden kann, wenn private Marktakteure ihre Eigeninteressen ohne staatliche Eingriffe verfolgen können.

Nach dem Niedergang des Kommunismus ging diese Philosophie in die gängige Lehrmeinung der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, der Steuerorgane der Weltwirtschaft wie IWF und Weltbank und, in geringerer Ausprägung, auch der meisten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ein.

Allzu deutlich wurde uns nun jedoch vor Augen geführt, dass all dem ein fataler Fehler innewohnt: Wie bereits Keynes vor mehr als siebzig Jahren aufzeigte, werden unregulierte Finanzmärkte weniger von den Gesetzen der Vernunft als vielmehr von höchst irrationalen Herdentrieben gesteuert, weshalb die Bildung von Blasen, die früher oder später zerplatzen müssen, geradezu vorprogrammiert ist. Wenn eine solche Blase in sich zusammenfällt und keine staatlichen Gegenmaßnahmen getroffen werden, so wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die gesamte Konjunktur in Mitleidenschaft gezogen.

Demzufolge ist ein Handeln der Staatsmacht gefordert, was im Übrigen für gute und schlechte Zeiten gilt, worauf Keynes ebenfalls hingewiesen hatte. In den vergangenen zwanzig Jahren ist der Gedanke der "Planwirtschaft" jedoch so sehr in Ungnade gefallen, dass er nun nichts weiter als eine verblassende Erinnerung zu sein scheint. Nun ist es an der Zeit, solche Überlegungen wieder ins politische Rampenlicht zu rücken, und dies nicht nur zur Bewältigung der gegenwärtigen Krise, sondern auch noch darüber hinaus. Wem jedoch kommt die Aufgabe des planenden Eingreifens zu? In welcher Form soll die öffentliche Hand wirken? Zu Keynes’ Zeiten lagen die Antworten auf diese Fragen auf der Hand: Die Planung der Wirtschaft kam dem Staat zu, denn der Staat galt als sichtbare Verkörperung der öffentlichen Hand.