In dieser Woche wollte man als Amerika-Korrespondent kaum seinen Ohren trauen. Auf einem hochkarätigen umweltpolitischen Treffen in Washington wurden die Deutschen heftig umworben und mit schmeichelhaften Worten bedacht. "Wir wollen von euch lernen", sagten Regierungsvertreter der US-Bundesstaaten Pennsylvania und Virginia. Man wolle Bündnisse mit den Deutschen schließen und ihr Knowhow ins Land holen. Rote Teppiche wurden ausgerollt.

Die Amerikaner priesen Deutschlands "Vorreiterrolle" in der Solar- und Windkrafttechnologie und die "beispielhafte" Energiesparpolitik. Gelobt wurde ebenso die staatliche Förderung alternativer Energiequellen in der Bundesrepublik, kurz: das komplette Anreiz-, Steuer- und Subventionssystem.

Der amerikanische Unternehmer Michael Ahearn von First Solar schwärmte davon, wie er in Frankfurt an der Oder eine Solarzellenfabrik aus dem Boden stampfte, die jetzt etwa 700 Leute beschäftigt – und wie dieses Beispiel weltweit Schule macht. Im US-Bundesstaat Ohio steht nun ein weiteres Werk und demnächst wird die Firma auch an zwei Orten in Malaysia produzieren.

Amerika selber kam auf der Versammlung in der Deutschen Botschaft nicht besonders gut weg. Ahearn beschwerte sich, dass die USA, Energiepionieren wie ihm, bürokratische Knüppel zwischen die Beine werfe und das Leben erschwere. In leicht sarkastischem Ton erzählte er, dass seine Firma First Solar zwar ihren Hauptsitz vorausschauend im Wüstenstaat Arizona aufgeschlagen, aber dort bislang noch keine einzige Solarzelle aufgestellt habe. Die Genehmigungsverfahren seien monströs und die Fördergelder ein Tropfen auf den heißen Stein. Seine Firma harre einstweilen in einem kleinen Büro aus, in der Hoffnung auf "sonnigere Zeiten".

Die sollen nun anbrechen mit Barack Obama. "Deutschland, wir brauchen dich!", beteuerten einmütig Politiker, Wissenschaftler und Industrielle auf dem Treffen der "Transatlantischen Klimabrücke" und prophezeiten der in den Bush-Jahren arg strapazierten Freundschaft eine goldene Zukunft. "Habt Ihr nicht vernommen", hieß es, "dass Obama euch bereits im Wahlkampf laut gepriesen hat?" Nein, nicht allein wegen seiner Berliner Rede vor 200.000 jubelnden Germanen vor der schönen Kulisse mit Siegessäule und Brandenburger Tor. Sondern weil Deutschlands alternative Energieindustrie bereits weit mehr als 200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen habe.

Doch Vorsicht! Nicht überall in Amerika hat das Wort "Deutschland" einen so guten Klang. Zum Beispiel in Chicago, wenn Deutsche über den dortigen Korruptionssumpf die Nase rümpfen. Staatsanwälte versuchen gerade, diesen Sumpf trocken zu legen und die Demokraten hoffen inständig, dass mit dem zwielichtigen Gouverneur von Illinois nicht auch der eine oder andere aus dem Obama-Team im Morast versinkt. Schließlich haben viele Obamanics in Chicago Karriere gemacht. Es heißt: Wer in dieser Stadt aufsteige, sei zwangsläufig vom Korruptionsvirus befallen.