Vor Zehntausenden Gläubigen, darunter vielen Deutschen, wandte sich der Papst am Weihnachtstag auf dem Petersplatz in Rom gegen die "niederträchtige Logik der Konfrontation und der Gewalt". Benedikt forderte dazu auf, den Weg des Dialogs und der Verhandlungen zu gehen, "um die Spannungen innerhalb der einzelnen Länder zu überwinden und gerechte und dauerhafte Lösungen zu finden."

Weihnachten sei ein Fest des Lichts, das die Dunkelheit vertreibe, sagte der Papst. "Das göttliche Licht von Bethlehem verbreite sich im Heiligen Land, wo sich der Horizont für die Israelis und die Palästinenser erneut zu verfinstern scheint, es verbreite sich im Libanon, im Irak und im ganzen Mittleren Osten", zählte Benedikt die Konfliktherde auf. Dieses Licht, das verändere und erneuere, ersehnten auch die Bewohner von Simbabwe in Afrika, die schon zu lange von einer sich weiter verschärfenden politischen und sozialen Krise zermalmt würden. Frieden und Stabilität fehlten auch in Somalia, im sudanesischen Darfur und in der Kongo-Region Kivu.

"Wenn jeder nur an seine eigenen Interessen denkt, kann die Welt nur zugrunde gehen", mahnte Joseph Ratzinger. Die Gläubigen sollten sich mutig und mit einer solidarischen Gesinnung dagegen stemmen, dass die Menschenwürde mit Füßen getreten werde und persönlicher Egoismus oder die Interessen von Gruppen sich über das Gemeinwohl hinwegsetzten. Man dürfe sich nicht an "brudermörderischen Hass undan die Ausbeutung des Menschen durch andere Menschen gewöhnen".

Auch in den wohlhabenden Ländern wachse die Sorge angesichts einer immer unsichereren Zukunft, fügte der Papst an. Gegen das nicht enden wollende Leiden stellte er die "Verkündigung der Hoffnung, die für alle bestimmt ist und den Kern der Weihnachtsbotschaft ausmacht".

Danach spendete Benedikt bei trübem Winterwetter von der Loggia des Petersdoms aus den traditionellen Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis). Zugleich fügte er die Weihnachtsgrüße in 64 Sprachen hinzu. Auf Deutsch sagte das 81-jährige Oberhaupt der Katholiken: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Eurem Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"

In der Mitternachtsmesse hatte der Papst zuvor die millionenfache Not armer und ausgebeuteter Kinder in der Welt beklagt und für den Frieden in Nahost gebetet. Die Menschheit brauche eine Bekehrung der Herzen, um die Welt vom Bösen zu befreien. "Nur wenn die Menschen sich ändern, wird die Welt sich ändern, und um sich zu ändern, brauchen die Menschen das Licht, das von Gott kommt."