Das Gericht im tansanischen Arusha befand den ehemaligen Direktor im ruandischen Verteidigungsministerium Theoneste Bagosora für schuldig, 1994 maßgeblich den Völkermord in Ruanda organisiert zu haben. Zwei Mitangeklagte Bagosoras wurden ebenfalls schuldig gesprochen, ein Dritter freigesprochen.

1994 hatten Hutu-Milizen 800.000 Menschen - meist Angehörige der Tutsi-Minderheit sowie gemäßigte Hutu - niedergemetzelt. Auslöser des Völkermordes war ein angeblicher Mordanschlag auf den damaligen Präsident Juvenal Habyarimana, dessen Flugzeug am 6. April 1994 beim Landeanflug auf Kigali von einer Rakete abgeschossen worden war. Das UN-Tribunal wurde 1996 eingerichtet. Bisher hatte das Gericht 29 Angeklagte verurteilt, fünf freigesprochen.

Radikale Hutu-Milizen lasteten damals den Anschlag auf Juvenal Habyarimana der Tutsi-Minderheit an und riefen zu Vergeltung auf. Sie töteten mindestens 800 000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Viele Opfer wurden mit Macheten in Stücke gehackt, andere bei lebendigem Leib in Kirchen verbrannt, in denen sie Zuflucht gesucht hatten.

Nach Angaben von Menschenrechtlern und Helfern war der Völkermord geplant. Ziel der Gräueltaten sei die Ausrottung der Tutsi gewesen, die etwa elf Prozent der ruandischen Bevölkerung ausmachten.

Infolge des anschließenden Bürgerkrieges flohen weit mehr als zwei Millionen Ruander, mehrheitlich Hutus, nach Burundi, Tansania, Uganda und in den Kongo (damals Zaire). Die UN zogen einen Großteil ihrer in Ruanda stationierten Truppen kurz nach dem Ausbruch des Konflikts ab.

Seit 1996 befasst sich ein von den Vereinten Nationen (UN) eingerichteter Strafgerichtshof (ITCR) im tansanischen Arusha mit dem Genozid. Das Gericht sprach bisher 32 Angeklagte schuldig und 6 frei. Derzeit laufen noch Prozesse gegen 25 Beschuldigte. 9 Anklagen sind in Vorbereitung. Täter mit geringerer Schuld müssen sich in Ruanda vor traditionellen Gacaca-Gerichten verantworten.